Kritik: Die Räuber @Residenztheater

Foto: Thomas Dashuber


Julias Kritik – Besuchte Vorstellung: 24. Oktober 2018

„Hauptmann! Hauptmann! Was machst du? Bist du wahnsinnig ‚worden?“

„Die Räuber“ im Residenztheater: das erste Stück von dem ich hörte als ich vor einem Jahr nach München zog. Ein Werk von Schiller, das in Ulrich Rasches Inszenierung ein Aushängeschild fürs Münchner Residenztheater geworden ist und zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde – zu Recht? Mir die Räuber selber auf ihren Riesen-Laufbändern anzusehen hat bei mir ein Jahr gedauert. Jetzt hab ich es geschafft.

Ich besuchte die Vorstellug mit unserem Projekt #SCHAUMAL, bei dem wir von der Fachschaft Theaterwissenschaft und Dramaturgie der LMU regelmäßig Theaterbesuche für unsere Mitstudierenden organisieren. So fand ich mich mit 20 motivierten Erstsemestler*innen im Residenztheater wieder und war noch mitten im Organisations und Gruppenleiter-Modus als die Vorstellung begann. Es hat bei mir fast den ganzen Anfangsmonolog lang gedauert, bis ich wirklich angekommen war.

Aber dann hat es mich gepackt. Die Riesen-Laufbänder, aufgrund derer die Räuber Inszenierung nicht mit Bühnenbild zum Berliner Theatertreffen hatte anreisen können und so ausnahmsweise per Videoübertragung spielen durfte, sind in echt noch viel imposanter als ich sie mir vorgestellt habe. Katja Bürkle stapft darauf als Franz Moor in schwindelerregenden Höhen kraftvoll voran und voran und voran. Und all das in einem beängstigend strengen Rhythmus, der nie abbricht. Eine andere Szenerie gibt es nicht; die Laufbänder werden jedoch gedreht, in der Höhe verstellt und gekippt – so stark und so steil, dass alle Schauspieler*innen mit Sicherheitsgurten gesichert werden müssen.

„Die Räuber“ beeindruckt durch Massenszenen, Rhythmus und Gleichschritt.

Und das ist es was „die Räuber“ ausmacht: Massenszenen, in denen zwei dutzend Menschen synchron marschieren und gleichzeitig chorisch und rhythmisch Schillers Texte (sprech)-singen. Man fühlt sich gefangen, fast schon hypnotisiert. Und zwischen bzw. während dieser Sprechgesänge glänzen Pätzold & Co. in ihren Rollen. Auch wenn an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein bisschen zu viel Pathos drinsteckt, überzeugt mich doch jeder Sprechpart.

Die Inszenierung vermittelt Kraft, ist groß und doch mystisch. Sie hat ein paar Längen, aber die Schauspielleistung bleibt kontinuierlich stark und die immer wiederkehrenden Muster, die mich zwischendurch gestört haben, sind gleichzeitig auch das, was den Reiz des Abends ausmacht. Der Räuberchor und sein „Hauptmann! Hauptmann! Was machst du? Bist du wahnsinnig ‚worden?“ blieb mir noch den ganzen Abend im Kopf und wird mich erstmal nicht mehr loslassen.

Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 24. Oktober 2018

Hör dir hier Theresas Kritik an!

Die Räuber – Ein Stück, das vermutlich die meisten von uns in der Schule gelesen haben steht seit Ende 2016 auf dem Spielplan des Residenztheaters.

Ich habe die Inszenierung von Ulrich Rasche bereits zwei Mal gesehen und würde durchaus sagen, dass sich der Gang ins Theater hier auf jeden Fall lohnt. Besonders eindrucksvoll ist das Bühnenbild. Zum ersten Mal seit langem wird die riesige Bühne des Residenztheaters komplett ausgenutzt. Und es funktioniert. Mit überdimensionalen Laufbändern wird der Bühnenraum in seiner Breite, Höhe und Tiefe gefüllt.

Das Stück beginnt mit einem sehr langen Monolog und es fällt mir schwer den Tag hinter mir zu lassen und mich auf Schillers Worte, gesprochen von der fantastischen Katja Bürkle als Franz Moor, einzulassen. Doch obwohl es mir schwer fällt mich bei den Textmassen zu konzentrieren, ist mir keineswegs langweilig. Ich bin fasziniert von dem immer fortlaufenden und rhythmischen Marsch der Darsteller*innen auf den, weit in die Höhe reichenden, Laufbändern. Jede*r wird mit der Zeit seinen Zugang zu dem Text finden und die Geschichte der Räuber genießen können. Dennoch würde ich empfehlen: falls ihr Schillers „Die Räuber“ noch nicht gelesen habt oder euch die Story nicht mehr ganz im Gedächtnis geblieben ist: überfliegt vor der Vorstellung noch einmal eine Inhaltsangabe, sodass euch eine Zuordnung der Charaktere und das Verfolgen der Geschichte leichter fällt.

Neben dem beeindruckenden Bühnenbild, stechen die Massenszenen hervor, in denen Passagen der Räuberbande von bis zu ca. 20 Schauspielern, perfekt rhythmisiert, gesprochen werden. Diese Teile der Inszenierung nehmen den Großteil der zweiten Hälfte ein und versetzen einen in einen beinahe Trance-haften Zustand.

All in all: durchaus sehenswert, aufgrund des Bühnenbildes und der herausragenden Leistung der Schauspieler*innen, insbesondere sind hier Katja Bürkle und Franz Pätzold zu nennen.

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 24. Oktober 2018

Was nach diesem Abend besonders in Erinnerung bleibt, ist das Bühnenbild: Zwei enorm große Laufbänder ergeben das Bühnenbild, auf dem die Schauspieler*innen ununterbrochen in Bewegung Schillers Klassiker zum Besten geben. Die Laufbänder waren dazu nicht bloß waagerecht geeicht, sondern standen teilweise in einem sehr starken Winkel. Ziemlich bedrohlich schaute es aus, wenn die 10 Männer der Räuberbande unter Karl Moor, dann über die Rampe auf dem Laufband dem Publikum entgegen marschieren. Diese Bedrohlichkeit wird noch einmal dadurch verstärkt, dass nahezu der gesamte Text der Räuberbande gemeinsam vom Ensemble gesprochen wird. Sich dem Bann zu entziehen, der von diesem Chorischen Sprechen ausgeht, halte ich wirklich für fast unmöglich. Man stelle sich mal vor 10 Männer kommen im Gleichschritt auf einen zu und sagen im Takt „Tod oder Freiheit“ – da kann man doch nicht ruhig bleiben. Tatsächlich war ich so „into it“, dass ich sogar die quatschenden Schüler hinter mir ausblenden konnte. Obwohl es so ein starkes Mittel war, habe ich mich dann doch irgendwann daran sattgesehen. Es gab zwar ganz klar noch eine dramaturgische Entwicklung des Stücks.(Das ist aber eher auf Schillers zuschieben), doch konnte ich sie leider nicht im Stück finden. Das Energielevel blieb auf einer Stufe stehen und mit der Zeit waren meine Gedanken dann doch nicht mehr bei den Geschehnissen auf der Bühne. (Und das ist nie ein wirklich gutes Zeichen.)

Ein kurzes Wort noch zu der Besetzung des Abends. Die beiden Resi Jungspunde Franz Petzold und Thomas Lettow haben die Rollen des Karls und seines Räuberkollegen Spiegelberg vollends ausgefüllt. Auch wenn ich mich frage, warum Rasche bzw. das Regieteam die beiden so rum und nicht anderes herum besetzt hat. Der eigentliche Star des Abends ist aber Katja Bürkle als Franz Mohr. Deutlicher als in dieser Inszenierung kann man es kaum sehen, dass ein Besetzung nach Geschlecht nicht sein muss, denn sie war für mich die beste Franzdarstellerin, die ich – bis jetzt – gesehen habe. Sie hat die Besessenheit des von Eifersucht getriebenen Mannes derart intensiv ausgefüllt, dass die Widerwärtigkeit erschreckend zum Vorschein kam.

Mal gucken, ob es so bleibt oder was bei der nächsten Räuber Inszenierung passiert – denn ganz sicher wird Schiller noch das ein oder andere Mal inszeniert werden.

Zur Inszenierung

Die Räuber – von Friedrich Schiller // Residenztheater München // Premiere: 23. September 2016 //

Studierendenkarten: 8€; Vorstellungsdauer ca. 3 std. 15 (eine Pause)

Regie + Bühne: Ulrich Rasche
Komposition: Ari Benjamin Meyers
Kostüme: Heidi Hackl
Choreinstudierung: Alexander Weise
Dramaturgie: Sebastian Huber
Licht: Gerrit Jurda
Mitarbeit Bühne: Sabine Mäder
Choreinstudierung: Toni Jessen

mit

Götz Schulte: Maximilian, Graf von Moor
Katja Bürkle: Franz Moor
Franz Pätzold: Karl Moor
Nora Buzalka: Amalia
Thomas Lettow: Spiegelberg
Max Koch: Schweizer
Nils Strunk: Razmann
Alexander Weise: Schufterle
László Branko Breiding: Roller/Räuberbande
Tim Werths: Roller/Räuberbande
René Dumont: Daniel
Toni Jessen: Räuberbande
William Cooper: Räuberbande
Leon Haller: Räuberbande
Philip Lemke: Räuberbande
Peter Blum: Räuberbande
Yannik Stöbener: Räuberbande
Kjell Brutscheidt: Räuberbande
Emery Escher: Räuberbande
Sandro Schmalzl: Tenor
Martin Burgmair: Bassbariton
Gustavo Castillo: Bassbariton
Mariana Beleaeva: Violine
Jenny Scherling: Viola
Heiko Jung: E-Bass
Fabian Löbhard: Percussion

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