Kritik: Panikherz @Thalia Theater, Hamburg

Foto: Krafft Angerer

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 17. September 2018

Hör dir hier Paulinas Kritik an!


 „Ich empfinde es als meine Aufgabe, als meinen Platz in der Welt, dass ich mein Leben so lebe, dass ich anderen davon erzählen kann.“

Und genau das tut Benjamin von Stuckrad–Barre in seiner Biographie Panikherz, die Christopher Rüping im März diesen Jahres im Thalia Theater in Hamburg auf die Bühne gebracht hat.

Es gibt einige Abende an denen komme ich aus dem Theater und ich weiß wirklich nicht wohin mit mir. Da habe ich die Zeit vergessen, weiß nicht wo ich bin und fühle mich ein bisschen paralysiert. Ein bisschen wie betrunken nur ohne Übelkeit. Dieses Gefühl ist der Grund, warum ich so unbedingt Teil von dieser verrückten Theaterwelt sein möchte. Christopher Rüping und das Ensemble des Thalia Theaters in Hamburg haben es geschafft mich mit der Theaterversion von Benjamin von Stuckrad-Barres Buch Panikherz, wieder in diesen Zustand zu versetzten.

Es ist seine tief bewegende Lebensgeschichte, die Stuckrad-Barre hier zu Papier gebracht hat: Seine behütete Kindheit als Pastoren Sohn, seine Liebe zu Udo Lindenberg und der Musik, der frühe Erfolg in der Musikbranche und die dazu gehörigen Drogen, die Essstörungen und der Kampf gegen die Krankheit und die ständige Diskrepanz zwischen dem Sein und Schein.

In den 3 Stunden und 20 Minuten schaffen es die Schauspieler*innen mich voll und ganz in diese Geschichte reinzuziehen. Dabei ist jede*r mal Benjamin, nur eben jede*r in verschiedenen Lebensphasen und erzählt in Monologen ein Teil der Geschichte. Obwohl die Thematik natürlich kein bisschen zum Lachen anregt, gibt es zwischen all der Dramatik immer wieder Momente der Entspannung, in denen ich ums Lachen nicht umher konnte. Besonders unterhaltsam sind die Szenen, in den er mit dem Bruch der eigenen Fassade spielt.

Rüping setzt die Schauspieler*innen durch intelligente Beleuchtung in Szene und kreiert Bilder, die ich bis dahin noch nie auf der Bühne gesehen habe. (Welche ich meine, sage ich jetzt aber noch nicht – sonst gibt es ja gar keine Überraschungen mehr.)

Und dann gibt es noch Udo. Das Stück funktioniert wahrscheinlich auch deshalb besonders gut in Hamburg. Denn Udo, der lange im Atlantik Hotel an der Alster gelebt hat, gehört nun mal zu „Hamburch“. Immer wieder kreuzen sich die Udos Kultsongs und Benjamins Leben an den ungewöhnlichsten Orten. Für Benjamin ist Udo Lindenberg nicht nur die Motivation Musik zu machen, sondern auch seine Motivation nach einer schweren Zeit weiter zu machen und letzten Endes ist er sogar zu so etwas wie einem Freund geworden.

Auf meiner To-do Liste steht jetzt ganz oben, eine Lesung von Benjamin Live zu erleben, bei denen soll es nämlich richtig zur Sache gehen – weit weg von allen spießigen Klischees einer Lesung, die man so im Kopf haben könnte. Panikherz ist zum Glück nicht sein einziges Buch und zur Zeit ist er mit Remix 3 unterwegs. Mal schauen wann er so in München vorbei schneit.

Zur Inszenierung

Premiere 17.03.2018 // Thalia Theater  Hamburg // Vorstellungsdauer 3 Stunden 20 Minuten

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Anna-Maria Schories
Dramaturgie: Matthias Günther
Musik: Christoph Hart
Video: Su Steinmassl

Mit
Julian Greis
Franziska Hartmann
Pascal Houdus
Felix Knopp
Peter Maertens
Oda Thormeyer
Sebastian Zimmler
Udo Lindenberg-Double (alternierend): Wenyen You / Chen Ding

Live-Musik
Christoph Hart



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