Kritik: WOYZECK | REQUIEM @Studiobühne TWM

Foto: Franz Kimmel

Julias Kritik – Besuchte Vorstellung: 30. November 2018

An der Studiobühne können sich TWM Studierende ausprobieren – in allen Bereichen, die eine Theaterinszenierung mit sich bringt. Trotzdem ist sie kein privater safe space, denn am Ende des Probenprozesses stehen je drei öffentliche Vorstellungen und ein erwartungsvolles Publikum.

Gestern haben wir uns Miriam Baalckes Inszenierung WOYZECK | REQUIEM angeschaut: eine Neuinterpretation des Woyzeck-Stoffes „aus dem gegebenen Material und Büchners Handschriften“, die auf der Bühne nicht nur sprachlich, sondern auch musikalisch vermittelt wird.

Baalcke liefert eine Interpretation, die wie einzelne Momentaufnahmen der Beziehung von Woyzeck und Marie wirkt: liebevolle Momente sowie schmerzhafte, Momente geprägt von Erinnerungen an Tod und Verlust bis hin zu dem Moment, in dem Woyzeck seine Marie im Wahnsinn ersticht.

Die Bühne zeigt das Innere eines Wohnraums, zu Beginn des Stücks noch verdeckt von langen Papierbahnen, die zwischen zwei Säulen vor der Spielfläche gespannt sind. Eine Fassade, die kurz darauf, vielleicht ein wenig schnell und plakativ, eingerissen wird und somit den Blick der Zuschauer*innen freigibt auf das Private und die Abgründe von Woyzecks und Maries Zusammenleben. In einer düsteren und von Verzweiflung geprägten Atmosphäre verläuft das Stück bis zum Applaus. Die Handlungsentwicklung ist nachvollziehbar und trotzdem nicht überdeutlich. Dialoge, denen teilweise leider zu viel Pathos vorgeworfen werden kann, gewinnen an Tiefe durch David Husz‘ Klavier- und Gitarrenmusik. Das Zusammenspiel von Sprache und Melodie ist sehr gelungen, beide Elemente funktionieren nicht neben-, sondern miteinander.

Die Studiobühne ist ein Theaterlabor und Miriam Baalcke weiß offenbar, welche Substanzen zusammen funktionieren und welche nicht. Wer es heute Abend noch schafft, der/dem empfehle ich unbedingt einen Besuch der letzten Vorstellung ihrer Inszenierung.

Ivanas Kritik – Besuchte Vorstellung: 30. November 2018

Hör dir hier Ivanas Kritik an!

Büchner. Woyzeck. Mal wieder.

Auch ich bin mit großen Erwartungen in die Studiobühne gesprintet. Danke DB.
Miriam Baalcke hatte schon „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ inszeniert, das ich im November 2017 gesehen hatte. Ich war begeistert damals. Und jetzt folgt Woyzeck. Aber als Requiem.

Es gibt Woyzeck. Es gibt Marie. Es gibt einen Musiker. Das war‘s. Und das ist auch genug. Das Bühnenbild ist gut gemacht. Zunächst verbinden Papierstreifen zwei Säulen, vor diesen Woyzeck und Marie eine recht leidenschaftliche Liebes-Szene spielen. Die Abgrenzung wird dann durchbrochen und die Bühne öffnet sich nach hinten. Einzelne Fensterscheiben und Türen lehnen an der Rückwand. Sie ergeben mit zwei sich gegenüberstehenden Klavieren, dem Platz dazwischen und ein paar Alkoholflaschen den Bühnenraum.
Das Stück ist kurzlebig. Für meinen Geschmack vielleicht sogar zu sehr. Man hätte noch mehr auf die Entwicklung eingehen können, auf den Verfall und das Durchdrehen. Den Prozess bis dahin. So geht es ziemlich schnell vom Liebespaar zum Wahnsinn über. Aber das sind Kleinigkeiten. Ich finde die Inszenierung gelungen. Der Fokus auf dem Wichtigsten, immer wieder viele Details und die Geschichte, die sich ja hier nur auf die Beziehung zwischen Woyzeck und Marie beschränkt, gut erzählt. Ich bin kein Fan von Büchners Woyzeck, T-rexoh wird mir da widersprechen. Aber ich finde die Regisseurin hat es gut umgesetzt.

Die Musikparts erklären sich mir nicht immer, teilweise erscheinen sie mir etwas überflüssig. Am Ende der Handlung, vor dem Applaus, wird noch eine Gesangseinlage mit Gitarre eingeschoben. Wie ich finde, ein schönes und harmonisches Ende der Aufführung, während Woyzeck noch auf dem Boden liegt und seufzend seine tote Marie in den Armen hält.

„Nein, keine Schuh, man kann auch ohne Schuh in die Hölle gehen.“


Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 30. November 2018

Hör dir hier Theresas Kritik an!

Woyzeck war zu meiner Schulzeit meine liebste Lektüre, die wir im Deutschunterricht behandelt haben.

Dementsprechend habe ich auch hohe Erwartungen an jede Woyzeck-Inszenierung, ob an einem großen Haus oder in der freien Szene. Die Aufführung fand auf der Studiobühne unseres Instituts statt. Es wäre jedoch gelogen zu sagen, dass ich an eine Inszenierung der Studiobühne die selben Ansprüche hätte, wie an die eines großen Hauses. Die Regisseure und Regisseurinnen stehen ganz am Anfang ihrer Theaterkarriere und auch die Mittel, die einem zur Verfügung stehen, sind begrenzt.
Aus diesen Gründen konzentriere ich mich bei meiner Kritik besonders auf die Inszenierung an sich, die meiner Meinung nach gelungen ist.

Der Bühnenraum bietet eine gewisse Herausforderung durch seinen Schnitt  und die mitten im Raum stehenden Säulen. Die Entscheidung den Fokus auf das Bühnenbild zu legen und nicht auf eine möglichst hohe Zuschauerzahl, tat der Inszenierung nur gut.

Besonders gelungen war das Zusammenspiel von Musik und Text bzw. Handlung. Die Musik flocht sich unaufdringlich und dennoch unterstützend in die Inszenierung mit ein. Sie war eine treibende Kraft, die dem Stück Kontinuität und einen Rahmen verlieh. Der Musiker war Teil der Inszenierung und gewissermaßen auch Teil des Bühnenbildes, interagierte jedoch nicht mit den Schauspielenden.

Die Anzahl der Charaktere war reduziert auf Woyzeck selbst und Marie. Hauptmann, Doktor, Tambourmajor usw. wurden höchstens im Dialog erwähnt. Dennoch wurde die gesamte Handlung verarbeitet und war in sich schlüssig.

Zur Inszenierung

WOYZECK|REQUIEM // Studiobühne TWM // Premiere: 29. November 2018 //

Studierendenkarten: 7€; Vorstellungsdauer ca. 45 min (keine Pause)

Regie: Miriam Baalcke
Regieassistenz: Lisa Zollner
Dramaturgie: Jonathan Heck
Technik: Matthias Weirich

Live-Musik: David Husz

mit

Peter Greth: Woyzeck
Cindy Bloes: Marie

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