Kritik: Ring & Wrestling @opera stabile, Staatsoper Hamburg

Foto: Jörn Kipping

Paulinas Kritik –Besuchte Vorstellung: 07. September 2018

Ring statt Bühne

Eine auf den ersten Blick wirklich ungewöhnliche Kombination. Aber man muss ja auch mal was wagen, denkt sich Dominik Günther. Der wagt sich in der opera stabile in Hamburg an eine Kombination aus Wagner und Wrestling. 

Walhalla ist abgebrannt. Wagners Götterfamilie ist obdachlos, hat nichts zu tun und besingt ihre Langeweile. Doch die Götter finden Unterschlupf in einer Sporthalle in Hamburg und treffen dort auf die Wrestler der „Rock und Wrestling“-Gruppe. Und da ihre Helden alle ausgedient haben, suchen die Götter nun eben unter den Wrestlern nach ihren neuen Helden. Warum auch nicht?!

In jeder der 5 Episoden a 60min sind sie auf der Suche und die potenziellen Kandidaten reichen vom „One-and-only-Siegfried“, dem Drachen „Pinksilllar“, Atomkraftwerkvertretern bis hin zu Politikern.

Regisseur Dominik Günther findet die Kombination von Wrestling mit Wagners Opern total naheliegend. Er steht seit über 15 Jahren selbst als Wrestler im Ring und hat vor einigen Jahren die Show „Rock und Wrestling“ in St. Pauli ins Leben gerufen. Es geht bei dieser besonderen Wrestling Show um Gut und Böse, Intrigen, Mythologie, Politik und Sagenfiguren. Alles Aspekte, die Wagner auch im „Ring“ aufnimmt.

Es finden sich nun also die vier Gottheiten, verkörpert von Opernsängern der Staatsoper Hamburg und Gastsolisten, im Box Ring wieder, der den Darsteller*innen als Bühne dient. Das Publikum steht und sitzt um den Ring herum und feuert die Sänger*innen und Wrestler an. Wahnsinnig unterhaltsam ist der Regisseur Dominik Günther, der auf der Bühne den Ringsprecher mimt und im silbernen Glitzeranzug, Perücke und Sonnenbrille das Publikum mit der Hymne „Ring und Wrestling“ zum Toben bringt. Und das Publikum, ob alt oder jung, volltätowiert oder in bravem Blüschen, geht richtig ab. Wrestling- und Opernfans auf einem Haufen und dabei stecken sich beide „Gruppen“ gegenseitig mit der Euphorie an.

In jeder der 5 Folgen der Opernovela „Ring und Wrestling“ werden wagnertypische Klänge mit Stilen aus der weiten Musikwelt gepaart. Bei Folge 1 konnte man Titelmelodien vom Kultfilm Ghostbusters und dem Kinderfilm Heidi erhören und auch Hip-Hop-Melodien kombiniert der Komponist Leo Schmidthals ohne zu zögern. Durch die Verknüpfung erhofft sich Schmidthals neue Fans für Wagnerstücke zu begeistern und den Wagnerfans auch andere Musikstile näher zu bringen. Gespielt wird der Musik-Mix von Mitgliedern des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.

Subkultur und Hochkultur verknüpfen die beiden Wagnerfans zu einem spannenden, unterhaltsamen und anspruchsvollen Kulturerlebnis. Ein geglücktes Experiment.

Zur Inszenierung

Ring & Wrestling // opera stabile, Staatsoper Hamburg // Uraufführung: 07. September 2018 //

Karten: 28€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunde (keine Pause)

Szenische Konzeption und Inszenierung: Dominik Günther
Musikalische Konzeption und Leitung: Leo Schmidthals
Bühne und Kostüm: Sandra Fox
Wrestling-Kostüme: Individuelle Eigenkreationen
Dramaturgie: Johannes Blum

Mit

Gabriele Rossmanith: Freia
Pia Salome Bohnert: Brünnhilde
Maria Markina: Fricka
Julian Arsenault: Wotan
Shin Yeo: Donner
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: