Kritik: Unheimliches Tal/ Uncanny Valley @Kammer 3

Foto: Gabriela Neeb

Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 09. Dezember 2018

Hör dir hier Theresas Kritik an!

„Technik ist die Natur des Menschen“

Das ist der Satz, der mir seit der einstündigen Vorstellung im Kopf herumschwebt und den Abend ganz gut beschreibt.

Diese Inszenierung ist eine Produktion des Rimini Protokolls (Stefan Kaegi) und Thomas Melle. Den ganzen Abend über ist nur eine Figur auf der Bühne, gespielt von einem Roboter welcher nach dem Vorbild des Schriftstellers Thomas Melle gebaut wurde.

Ja, es ist zu Beginn etwas ungewohnt und vielleicht auch unangenehm nur einem menschenähnlichen Roboter zuzuhören. Doch man gewöhnt sich erstaunlich schnell an diese Umstände. Die ganze Vorführung über wird man als Zuschauer zur Selbstreflexion aufgerufen. Man fühlt sich beinahe ertappt bei manchen Gedanken. Für mich bewirkt der Abend besonders zwei Dinge: Erstens bin ich gezwungen mich mit dem Verhältnis von Technik und dem Mensch-Sein auseinanderzusetzen. Zweitens wird meine Definition des Begriffs Theater herausgefordert und ausgedehnt.

Im Grunde handelt es sich um einen programmierten und inszenierten Vortrag eines Roboters. Dieser Vortrag beschäftigt sich mit öffentlichen im Vergleich zu privaten Gesten, mit Theatermitteln und ihrer Wirkung, sowie mit, wie kann es anders sein, Technik. Was macht eine künstliche und programmierte Nachbildung eines existierenden Menschen mit uns und vor allem dem Original dieser Nachbildung? Der Roboter ist bestimmt nicht perfekt programmiert und man hat bereits nach einigen Sekunden nicht mehr das unbehagliche Gefühl, ob es sich um einen „echten“ Menschen handelt oder eben nicht. Dennoch ist genau dieses unheimliche Tal ein Thema, das bestimmt noch viel erforscht und auf zahlreiche Bühnen gebracht werden wird.

Das Interesse des Publikums scheint besonders hoch zu sein. Die Vorführungen sind meist bereits im vorhinein ausverkauft, somit sollte man früh dran sein, wenn man an dem Stück interessiert ist. Auch nach der Vorstellung macht sich das Interesse der Menschen an Robotern bemerkbar. Die Zuschauer scharen sich um den abgesperrten Roboter, der sich noch immer ein klein wenig bewegt, um ihn ganz genau zu beobachten und Fotos zu machen.

Also wer einen Roboter gerne einmal von der Nähe sehen möchte, muss gar nicht weit reisen, sondern kann einfach in die Kammer 3 zu Uncanny Valley gehen.

Zur Inszenierung

Unheimliches Tal/ Uncanny Valley// Münchner Kammerspiele// UA: 04. Oktober 2018 //

Studierendenkarten: 6€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunde (keine Pause)

Regie: Stefan Kaegi
Text, Körper, Stimme: Thomas Melle
Bühne und Kostüme: Chris Creatures Filmeffects GmbH
Kostüme: Tommy Opatz
Ausstattung: Eva-Maria Bauer
Animatonik-Team: Chris Creatures Filmeffects GmbH
Herstellung und Art Finish des Silikonkopfes/ Koloration und Haare: Tommy Opatz
Video: Mikko Gaestel
Musik: Niki Neecke
Licht: Michael Pohorsky
Dramaturgie: Martin Valdés-Stauber
Head of Robot Project and Puppeting: Stefano Trambusti
Assistant Robot Construction: Jonathan Noormann
Robotcontrol an Programming Support: Daniel Stiber
Steuerungstechnik: WeiglControl
Electronic Support: Hendrik Donner
Moldmaking and Galsfibertec: Nico Weber
FDM Print Construction Cleanup and 3D Print Assist: Delia Kunzmann

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