Kritik: Macbeth @Residenztheater

Foto: Dashuber

Ivanas Kritik – Besuchte Vorstellung: 15. Oktober 2017

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Eine der beliebtesten Geschichten aus der Shakespeare-Welt. Eher unspektakulär umgesetzt. Ein schwarzes Bühnenbild, die Schauspieler in schwarzem Anzug, viel Blut und ein paar Stangen. Das hatten wir ja noch nie.

Das Augenmerk nicht auf der Geschichte, nicht auf Verständnis, nicht auf der Intention irgendetwas zu erzählen, das inspiriert. Wohl eher auf Reduzierung und erzwungener Moderne. Die Schauspieler tragen die Inszenierung, vor allem Sophie von Kessel und Thomas Lettow sind schlichtweg gut und überzeugen mich. Fast alle Akteure in einfachem schwarz, darunter nacktem Oberkörper. Sie beschmieren sich nach und nach mit noch mehr Blut, bis man die Figuren nicht mehr differenzieren kann. Das Ergebnis ist eine Masse an beliebigen Menschen, die mit der Zeit durchdrehen, manche mit langer weißer Perücke, die Lady M immerhin erkennbar durch ihr weißes Kleid. Dann noch mehr Blut. Macbeth muss man quasi auswendig kennen um zu verstehen was da passiert. Sonst weiß man nicht, wer wen darstellt, wer was warum macht und wohin die Reise geht. Ich habe vor lauter roter Farbe und Wahnsinn am Ende nicht mal den Tod von Lady M mitbekommen. Die Geschichte ist so komplex, so vielfältig und tragisch. Sie müsste im Zentrum stehen. Tut sie leider nicht.

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 18. Dezember 2018

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Shakespeare overload.

Diesen Monat habe ich echt viel Shakespeare gehabt: Otello, Ein Sommernachtstraum, Macbeth in den Kammerspielen, ein Seminar in der Uni und jetzt Macbeth im Residenztheater.

Das Residenztheater ist bekannt dafür, dass es – besonders im Vergleich zu den Kammerspielen – den Fokus meist auf die Sprache des Dramas legt. Genau das war auch der Fall bei der Macbeth Inszenierung von Andreas Kriegenburg. Aber mehr als Shakespeares wunderbaren Text gab Kriegenburgs Abend leider nicht her. Einige Sekundärtexte flossen noch mit in den Theatertext hinein und einige Charaktere sprachen versauter als im Original, aber welchen Zweck/ Mehrwert die Sekundärtexte hatten erschloss sich mir nicht.

Wenn man das Scottish Play das Xte Mal auf die Bühne bringt, dann muss einfach etwas Neues aus der Grundlage gemacht werden.

Damit meinte ich nicht, dass zwangsläufig eine Aktualisierung im Zeitkontext vorgenommen werden soll und das heißt nicht, dass auf einmal alle im Slang sprechen und in Hip- Hop Kleidung über die Bühne laufen sollen – sondern neu im Vergleich zu dem, was es schon auf der Bühne gab.

Die Position der Lady Macduff war in dieser Inszenierung wohl etwas anders gewichtet, aber an dem Abend, als ich im Residenztheater war, konnte die Original Besetzung aus Krankheitsgründen leider nicht spielen. Die Schauspielerin, die eingesprungen ist, konnte dann natürlich nicht alles ausfüllen wie es eigentlich geplant war. Das ist natürlich nachvollziehbar, aber trotzdem ist es schade, dass ich so nicht den Plan hinter der Rolle erkennen konnte.

Die andere Frau in Shakespeares Drama ist die Lady Macbeth. Sophie von Kessel erfüllt diesen Charakter die ganzen 3 ½ Stunden mit unheimlich viel Energie. In jeder Phase, die die Lady im Stück durchläuft, ist sie in ihrer Spielart unheimlich präzise und lässt die Zuschauer Einblicke in ihre Gedankenwelt bekommen. Wenn ihr mal die Chance bekommt, sie auf der Bühne zu sehen, dann dürft ihr euch das nicht entgehen lassen.

Bis auf die übertriebenen Comic-Relief Szenen der Mörder und einige bedeutungsschwangere Monologe des Protagonisten, kann ich auch nicht groß etwas kritisieren.

Es war einfach okay. Kann man mal machen. Muss man aber nicht.

Zur Inszenierung

Premiere: 13 Januar 2017 // Residenztheater // Vorstellungsdauer 2 Stunden 45 Minuten

ÜBERSETZUNG: Thomas Brasch
INSZENIERUNG: Andreas Kriegenburg
BÜHNE: Harald B. Thor
KOSTÜME: Andrea Schraad
LICHT: Gerrit Jurda
DRAMATURGIE: Angela Obst

Mit
Thomas Loibl
Sophie von Kessel
Tomas Lettow
Arnulf Schumacher
Mathilde Bundschuh
Anna Graenzer
René Dumont
Hanna Scheibe
Max Koch
Till Firit
Tim Werths
Thomas Grässle
Joachim Nimtz

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