Kritik: Dionysos Stadt @Kammer1

Foto: Julian Baumann

Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 13. Oktober 2018

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10 Stunden Theater. ZEHN.

Bist du verrückt? Wer macht denn so was? Das sind so die ersten Reaktionen, die ich von meinem Umfeld bekomme, als ich erzählt habe, dass ich in ein 10 Stunden Stück gehen werde. To be fair: es ist auch nicht gerade die Norm und auch ich hatte neben Gefühlen der Neugierde und Vorfreude den Gedanken im Kopf: Wie möchte man denn bitte 10 Stunden sinnvoll füllen und so gestalten, dass das Publikum innerhalb der Zeit nicht um mindestens die Hälfte schrumpft. Als ich vor dem Theater stand habe ich gerade so die Herausforderung gespürt, eine Challenge die man unbedingt meistern möchte. Spoiler alert: Es war ganz anders als erwartet und vor allem wunderschön.

Alle Theaterbegeisterten oder Historiker werden sich sicherlich denken können von wo Christopher Rüping sich die Inspiration geholt hat. Die Dionysien waren im antiken Griechenland ein soziales Event mit drei Tragödien und einem Satyrspiel pro Festtag. Genau diese Elemente wurden auch in diese Inszenierung integriert. Nach einem so langen Aufenthalt im Theater fühlt man sich den anderen Zuschauern und in gewisser Weise auch den Schauspielern verbunden.

Die Inszenierung ist nicht nur durch ihre Länge eine Herausforderung. Rüping tobt sich mit allen möglichen Theatermitteln aus, man wird visuell als auch akustisch stimuliert. Durch diese Vielfältigkeit gibt es kaum Strecken, die sich in die Länge ziehen oder in denen einem Zeit besonders bewusst wird.  Besonders charmant ist die Einführung und einer Moderation gleichenden Struktur von Nils Kahnwald, die einem schon im Vorhinein einen Rahmen und Idee des Ablaufs gibt.

Ich will gar nicht allzu viel verraten, wenn ich über dieses Stück schreibe. Für mich ist es eventuell sogar unter meinen Favoriten des aktuellen Spielplans und definitiv ein Must-see für alle Theaterbegeisterten. Lasst euch von der Länge auf gar keinen Fall abschrecken, ihr werdet es nicht bereuen.

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 13. Oktober 2018

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Als ich an jenem Samstagmorgen meinen Mitbewohnerinnen erzählte, dass ich jetzt für zehn Stunden im Theater sitzen würde, haben sie mich endgültig für verrückt gehalten.

Von morgens um 12.00 Uhr bis abends um 22.00 Uhr saßen Theresa und ich in den Kammerspielen. Zehn Stunden, ohne, dass ich auch nur ein einziges Mal überlegt habe das Theater zu verlassen und ohne, dass mir auch nur ein einziges Mal langweilig geworden wäre.

Christopher Rüping und das siebenköpfige Ensemble haben einen Tag kreiert, an dem ich alle Gefühlslagen erlebt habe. Ich habe Tränen gelacht, war schockiert, wurde überrascht und fühlte mich wahnsinnig gut unterhalten. Am Ende wurde ich auch noch richtig emotional.

Wenn das die „Alten Griechen“ gewusst hätten, was aus ihren Theaterfestivals geworden ist, wären sie sicher mächtig stolz. Denn im antiken Griechenland fanden zu Ehren des Gottes des Rausches: Dionysos Theaterwettbewerbe statt. Da wurde Tage lang Theater gespielt, getrunken, gequatscht und über Politik diskutiert. Diese Festivals bestanden meist aus drei griechischen Tragödien und einem sogenannten Satyrspiel. Und genauso ist auch die Inszenierung Rüpings strukturiert. Es sind vier Stücke, die einen Rahmen vorgeben.  Die Geschichten um Prometheus, Ilias, Die Orestie und einem neuen Text La Mélancolie de Zidane. Das Ziel ist es hier aber nicht die Stücke komplett aufzuarbeiten und wie vor über 2000 Jahren aufzuführen, sondern sie werden mit vielen Textbausteinen anderer Dramatiker verknüpft und stellen eher eine Inspiration für die verschiedensten Spielideen der Darsteller*innen dar.

Als Nils Kahnwald einleitend erzählte, dass ein Teil der Inszenierung das Schönste sei, was er je im Theater gesehen habe, war ich noch super skeptisch – ob das wohl gut gehen kann, wenn ein Schauspieler, so etwas über ein Stück sagt, bei dem er selber mitwirkt?! Aber es ist gut gegangen. Es war eine Theatererfahrung, die den ganzen Körper sog-ähnlich in etwas mit hineinzieht, dem ich mich gar nicht wieder entziehen kann. Und als der Tag vorbei war und ich wieder auf der Maximiliansstraße stand, die Autos an mir vorbei hupten und ich wieder in der Realität war, wollte ich nur eins: ganz schnell wieder zurück ins Theater und das Ganze nochmal erleben.

Zur Inszenierung

Dionysos Stadt // Münchner Kammerspiele, Kammer 1 // Premiere am 06. Oktober 2018 //

Studierendenkarten: 16 €; Vorstellungsdauer ca. 10 Stunden (drei Pausen)

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Video: Susanne Steinmassl
Musik: Jonas Holle, Matze Pröllochs
Licht: Stephan Mariani, Christian Schweig
Dramaturgie: Valerie Göhring, Matthias Pees

Mit

Maja Beckmann
Peter Brombacher
Majd Feddah
Nils Kahnwald
Gro Swantje Kohlhof
Wiebke Mollenhauer
Benjamin Radjaipour

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