Kritik: Vater @TheaterKiel

Foto: Olaf Struck

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 02. Januar 2018

Hör dir hier Paulinas Kritik an!

Wenn man Teenager ist, kann man es kaum erwarten; wenn man über 30 ist, will man es verhindern. Das Älterwerden.

Nichts ist in unserem Leben sicherer als dass wir – wenn es gut läuft – irgendwann graue Haare, schlechte Augen und faltige Haut bekommen. Einfache Bewegungen gleichen dann einem Kraftakt und es gibt Menschen, die irgendwann anfangen zu vergessen. Von diesem Vergessen und der Entstehung neuer Realitäten eines Demenzerkrankten, handelt das Stück Vater von dem französischen Literat Florian Zeller.

Die Thematik „Demenz“ ist nicht gerade eines der Dauerbrennerthemen am Theater, doch Volker Schmalöer setzt sich am Kieler Schauspielhaus mit einer ergreifenden Inszenierung mit der Krankheit auseinander.

Das Theater eröffnet den Zuschauer*innen die Möglichkeit in die Welt von Andre ein zu tauchen und zu sehen, wie er 10 Jahre seiner Krankheit erlebt. Wir erleben, wie fremde Menschen auf einmal in seiner Wohnung stehen, die meinen ihn zu kennen und wie sich seine gesamte Wohnung nach und nach verändert. Und wir erleben, dass seine Tochter auf einmal in London wohnt und er von nun an von einer Krankenschwester versorgt wird.

Die Wechsel der Erinnerungsfetzten werden durch Rhythmus, Lichtveränderungen und musikalische Pausen gekennzeichnet. Personen, die Andre nicht mehr erkennt, werden durch neue Schauspieler*innen ersetzt. Die Unterschiede zwischen realen Ereignissen und der Welt in Andres Kopf, werden durch einen Rahmen gekennzeichnet, der am Bühnenrand platziert ist.

Den besonderen Abend prägt das langjährige Ensemblemitglied Werner Klockow. Der Schauspieler eröffnet dem Publikum Einblicke in eine Gedankenwelt voll von Verzweiflung, Wut, Angst und Trauer. Er sucht nach Klarheit und Halt in einer entrückten Realität, doch kann er den Prozess weder verstehen noch aufhalten.

Mit dem letzten Monolog und den Worten „Ich spüre, wie meine Blätter fallen, wie meine Äste verschwinden“, hinterlässt der Abend einen Kloß im Hals und ein sichtlich bewegtes Publikum. 

Zur Inszenierung

Vater // Theater Kiel // Premiere am 16. November 2018 //

Studierendenkarten: 10,80 €; Vorstellungsdauer 1 Stunde 40 Minuten (keine Pause)

Regie: Volker Schmalöer
Ausstattung: Lilith-Marie Cremer
Dramaturgie: Kerstin Daiber

Mit

Andre: Werner Klockow
Anne: Isabel Baumert
Pierre: Christian Kämpfer
Laura: Claudia Friebel
Frau: Ellen Dorn
Mann: Fabian Monasterios

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