Kritik: Je sors de nulle part mais d’un trou obscur @HochX

Je sors de nulle part mais d’un trou obscur, Tanzsolo Taigué Ahmed, (c) Franz Kimmel

Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 30. Januar 2019

Hör dir hier Theresas Kritik an!

„Je sors de nulle part mais d’un trou obscur“ oder „Ich komme von nirgendwo, aber aus einem obskuren Loch“ ist eine Tanzperformance, die am 1. Februar im HochX prämiert. Eine weitere Vorstellung kann am 02. Februar besucht werden.

Ich habe mich entschieden, vor dem Preview-Besuch keine Zusammenfassung des Inhalts durchzulesen oder mich über das Stück zu informieren. Denn für mich ist das der Charme des Tanz- und Bewegungstheaters. Man geht ganz unvoreingenommen hinein und versucht nicht eine Geschichte auf eine Performance zu stülpen, die man zuvor gelesen hat. Das geht meistens schief und bringt ein zwanghaftes Zusehen mit sich. Umso überraschter bin ich, dass ich die Geschichte oder vielmehr die Thematik der Inszenierung beinahe genauso erkannt habe, wie sie intendiert war. Das kommt nicht besonders häufig vor, wenn ich ehrlich bin, aber immerhin lügt man sich so nichts selbst vor.

Zu Beginn ist nur eine Kartonbox auf der Bühne, ein Video sowie Musik wird abgespielt. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, als der Performer schließlich aus der Box hervorkommt. Die Story möchte ich euch gar nicht vorwegnehmen, um euch auch ein unvoreingenommenes Zusehen möglich zu machen.  

Dieser Abend ist etwas für alle Tanz- und Bewegungstheaterfans. Aber auch für alle, die sich für Musik und Sounddesign interessieren. Das Zusammenspiel von Musik und Bewegung hat mich sehr beeindruckt. Man hat das Gefühl, dass die Beziehung wechselseitig ist. Der Musiker (Benno Heisel) und der Performer (Taigué Ahmed) reagieren gegenseitig aufeinander. Die Musik ist sehr sanft und auf Details und die leisesten Töne bedacht. Das ist für mich als Zuschauerin sehr faszinierend und überträgt sich auf meine Sehhaltung. Man passt sich der Behutsamkeit an und verliebt sich in kleine Details der Aufführung.

Insgesamt wird man sich seinem Sehverhalten sehr bewusst. Ich habe bemerkt, wie man selbst bei einem Tanz- und Bewegungsstück ein Gefühl für eine Dramaturgie hat. Bei den Bewegungen des Performers bekommt man den Eindruck, man wird eingeladen mitzumachen. Man möchte Teil seiner Bewegungswelt werden.

Neben diesen Aspekten ist mir noch das Licht und die Videoinstallation in Erinnerung geblieben, die sich sehr harmonisch zu den Bewegungen verhalten haben. Besonders das Video hat dem Tanz einen Rahmen gegeben und die Geschichte, die ich mir erschlossen habe, unterstützt. Das Licht war vor allem zu Beginn sehr ungewöhnlich. Die Bühne wurde nur aus den Seitenräumen der Bühne bestrahlt, sodass die Kartonbox ungewöhnlich neu wahrgenommen werden konnte.

Ich fand es äußerst erfrischend in München eine Tanz- und Bewegungsperformance besuchen zu können und hoffe, dass sich in Zukunft mehr solcher Möglichkeiten auftun.

Zur Inszenierung

Je sors de nulle part mais d’un trou obscur // HochX // Premiere/UA: 01.02.2019 //

Studierendenkarten: 10€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunde (keine Pause)

Choreografie und Tanz: Taigué Ahmed
Musik: Benno Heisel
Video: Janine Jembere
Kostüm: Pascale Martin
Licht: Ulrich Eisenhofer
Dramaturgie: Sarah Israel
Produktionsleitung + Fotos: Katharina Denk
PR: Kathrin Schäfer

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