Filmkritik: Roma von Alfonso Cuarón

Foto: Carlos Somonte/ Netflix

Ivanas Kritik

Hör dir hier Ivanas Kritik an!

Weiter gehts in meinen Oscars-Vorbereitungen und diesmal zu einem der großen Favoriten. Roma ist zusammen mit The Favourite in 10 Kategorien nominiert, darunter bester Film, beste Regie, beste Hauptdarstellerin und beste Kamera. Da ich Cuarón‘s Gravity gesehen habe, war ich mehr als gespannt auf seinen neuen Film, der in seiner Heimatstadt Mexico-City spielt und von den ersten Eindrücken ja absolut gar nichts mit Harry Potter und der Gefangene von Askaban oder eben Gravity zu tun hat.

Wir befinden uns im Jahr 1970 in Roma, einem Stadtteil von Mexikos Hauptstadt und verfolgen in den über 2 Stunden einen Ausschnitt aus dem Leben von Cleo, einer Haushälterin und der Familie, bei der sie angestellt ist. Ihr normaler Alltag wird durch die ersten 30-40 Minuten aufgezeigt. Für mich etwas zu langatmig, da tatsächlich nur das alltägliche Leben des Ehepaars Antonio, ihrer 4 Kinder, der im gleichen Haus lebenden Großmutter und den Angestellten, insbesondere eben Cleo, dargestellt wird. Es wird Wäsche gewaschen, eine Sendung geschaut, die Kinder geweckt, Sport gemacht, geputzt, gespielt und was man sich in so einem Haushalt nun eben vorstellen kann. Erzählt wurde dadurch aber die Beziehung zwischen Cleo und der Familie, die, vor allem zu den Kindern, sehr liebevoll und herzlich ist. Man bekommt auch die Ehekrise zwischen Mutter und Vater der Familie mit und hat so schon eine grobe Einschätzung, wie dieser Film verlaufen könnte. Tatsächlich kommt es aber größtenteils anders. Cleo muss sich neuen Herausforderungen stellen als sie schwanger wird und so ihre kleine bescheidene, aber behütete Welt auseinanderbrechen könnte. Sie hofft auf die Unterstützung des Vaters. Letzten Endes geht es aber um ihre Liebe zu den Kindern und der Familie, die sie durch ihre neue Situation tragen.

Der Film ist auf Cleo ausgerichtet. Man ist immer ganz nah bei ihr und kann ihr Leben in Roma verfolgen. Durch die Kameraführung, die ruhig und leicht ist und eben immer bei ihr, hatte ich das Gefühlt, ich könnte gut ihren Emotionen und Perspektiven folgen. Viele Szenen sind in einem Take gedreht, es gibt nur wenige Schnitte, so war der Film für mich sehr angenehm und fließend anzusehen. Oftmals hat die Kamera einen festen Standort und schwängt beispielweise langsam von rechts nach links, während die handelnden Figuren der Einstellung folgen und sich von rechts nach links bewegen. Das ergibt fließende Abläufe.

Vor allem in der ersten Hälfte wird nicht viel gesprochen. Das Gesagte ist auf das Wichtigste reduziert, hier wird mit Blicken, Gesten, Mimik und Körperhaltungen erzählt, die durch die Kamera beeindruckend eingefangen werden. Es gibt keine Filmmusik, alle Geräusche entstehen durch die Szenen selbst. Eine Nominierung gab es auch für den Tonschnitt des Films, meiner Meinung nach zurecht. So ganz ohne Musik, kann man als Zuschauer hier den Ausdruck von Alltagsgeräuschen nochmal ganz neu erhören.

Der Film ist in schwarz/weiß, wovon ich nicht immer ein Fan bin, da ich glaube, dass sich einige Fotografen/Filmemacher die Dinge durch den S/W-Filter vereinfachen. Auch hier hätte ich Interesse daran gehabt, die Farben in Mexiko-Stadt oder am Strand von Tuxpan zu sehen und wie die Figuren in Farbe aussehen. Aber womöglich ist das auch einfach ein gutes Mittel, um die Fantasie der Zuschauers noch ein bisschen mehr anzuregen.

Der Film handelt von Cleo, schneidet aber trotzdem viele Themen beiläufig an. Das war für mich teilweise ein bisschen überflüssig, beziehungsweise haben sich mir manche Szenen nicht erklärt und warum diese an genau der Stelle nun eine Rolle spielen. Man muss bei einem Film auch nicht alles von vorne bis hinten verstehen, trotzdem hätte ich es vielleicht noch ein bisschen besser gefunden, wenn man manche Handlungsstränge ausgelassen hätte und dafür andere verstärkt erzählt hätte. Politische Aspekte trägt Roma auch in sich, so wird kurz das Fronleichnam-Massaker von 1971 thematisiert und auch Teile davon gezeigt. Zudem die Kämpfe innerhalb Mexikos um Land und das Patriachat und die Abhängigkeit einer Familie von ihrem Oberhaupt. Das wird allerdings durch das Ende des Films gebrochen, was für mich einen starken Ausgang darstellt. Mehr möchte ich aber nicht vorwegnehmen.

Im großen Ganzen eine gute Geschichte, die mich wirklich berührt hat. Die ein oder andere Träne ist auch geflossen. Zudem ein etwas anderer Film, im Vergleich zu dem, was momentan noch im Kino zu sehen ist. Sicherlich gibt es ein paar Aspekte, die man für mich noch hätte besser machen können aber sehenswert und vor allem außergewöhnlich ist Roma auf alle Fälle!

Zum Film

Roma // Release: 30. August 2018 in Venedig

Filmdauer: ca. 2 Stunden 15 min

Regie und Drehbuch: Alfonso Cuarón
Kamera: Alfonso Cuarón, Galo Olivares
Schnitt: Alfonso Cuarón, Adam Gough
Produktion: Nicolas Celis, Alfonso Cuarón, Gabriela Rodriguez

mit

Yalitza Aparicio: Cleo Gutiérrez / Marina de Tavira: Sra. Sofía Antonio / Daniela Demesa: Sofi / Diego Cortina Autrey: Toño / Carlos Peralta: Paco / Marco Graf: Pepe / Latin Lover: Profesor Zovek / Nancy García García: Adela / Jorge Antonio Guerrero: Fermín / Fernando Gradiaga: Dr. Antonio / Verónica García: Sra. Teresa / Nicolás Peréz Taylor Félix: Beto Pardo / Andy Cortés: Ignacio / Clementina Guadarrama: Benita

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