Kritik: PELLE @HochX

Foto: Alfredo Zinola

Theresas Kritik – Besuchte Probe: 14. Februar 2019

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„Eine interaktive Performance für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren“ (HochX) sollte schon Anreiz und spannend genug sein, um dorthin zu gehen. Denn eine Performance, die für Kinder gemacht ist, gibt es nur äußerst selten.

Alfredo Zinola macht Kindertheater, ja, aber nicht auf eine Weise wie es die meisten von uns kennen. Kein Kasper, kein Märchen und auch keine Handpuppen. Bei ihm werden Kinder und ihre Eltern herausgefordert mitzumachen und den Performern auf die Pelle zu rücken. Man darf ertasten und erfühlen, sich und andere bewegen und als Kind seine Eltern bzw. einen Erwachsenen führen. Das Erspüren von Texturen bringt großen Spaß und wird in jedem Erwachsenen eine Neugierde herauskitzeln. Der Raum ist abgegrenzt und Licht sowie Musik schaffen eine Atmosphäre von Vorsicht und Spannung. Es ist faszinierend, wie bedeutend diese Mittel sind um eine bestimmte Stimmung zu kreieren. Was passiert als nächstes und was ist erlaubt und was nicht, sind Fragen, die einem durch den Kopf schießen, während der interaktiven Übungen. Durch die langsamen und behutsamen Bewegungen, die alle um einen herum machen, hat man wiederum Zeit über die eben genannten Fragen zu reflektieren. Die Kinder dürfen das Ruder übernehmen und den Raum mit all seinen Inhalten erkunden. Da die Kinder zu Beginn die führenden Glieder sind, bekommen sie ein Gefühl von Kontrolle, aber auch Verantwortung. Das stützt das Vertrauen zwischen Kind und Erwachsenem. Bei einer solchen Performance erfährt man neues über sich und über die Dynamik einer Gruppe. Ich kann mir vorstellen, dass es auch für die Eltern interessant ist ihre Kinder in einer solchen Atmosphäre auf eine ungewohnte Weise kennenzulernen.

Ich denke, so ein Kindertheater hat kaum jemand von uns als Kind miterleben dürfen. Nicht, dass gegen die Geschichten von Hänsel und Gretel oder Aschenputtel etwas auszusetzen ist, man darf und sollte Kindern mehr zutrauen als das. Diese Art von Kindertheater birgt ein großes Potenzial und wird sicherlich im Laufe der Zeit noch großen Anklang finden. Also schnappt eure eigenen Kinder, Nichten, Neffen oder Patenkinder und erlebt ein etwas anderes Kindertheater. Premiere war am 16. Februar 2019 und zwei weitere Vorstellungen gibt es am Sonntag den 17. Februar 2019.

Ivanas Kritik – Besuchte Probe: 14. Februar 2019

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Schon wieder eine ausgefallene Theateraufführung, schon wieder eine sehr Besondere. Die anderen Tanten waren in Düsseldorf und hatten dort bereits Bekanntschaft mit Alfredo gemacht und auch seine Arbeit schon kennengelernt und erlebt. Für mich war der Nachmittag im HochX mit der offenen Probe von Pelle allerdings eine völlig neue Situation. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung was da auf mich zukommen würde.

Die Bühne war eingenommen von einem abgehängten Raum, dessen Inneres wir zunächst nicht sehen konnten. Wir sollten die Schuhe ausziehen und dann begann es. Zunächst wurden uns die drei Schauspieler „vorgestellt“, man konnte sich schon einmal ein wenig aneinander gewöhnen. Im Folgenden übernahm ich die Erwachsenen-Rolle, die mit den Augen verbunden von den Kindern in den Raum auf der Bühne geführt wurden. Dann konnte man in der Dunkelheit ertasten, was die Kinder einem zu Fühlen geben, was sehr interessant und auch aufregend war. Die eigenen Hände wurden geführt und so konnte man sich vollkommen auf die anderen Sinne außerhalb des Sehens konzentrieren, was im Theater eine absolut neue Situation darstellte und für mich eine schöne neue Erfahrung war. Nach einiger Zeit durften alle Augenbinden abgenommen werden und es wurde mit der gewonnenen Intimität innerhalb des Raumes weitergearbeitet. Im Zentrum standen Körper und wie man diese auf eine andere Art und Weise kennenlernen kann und letztendlich auch wertschätzen. Die Nähe zu Fremden, die aber im Laufe der Erfahrung gar nicht mehr so fremd waren, war mir auch neu. Durch die Musik, das Licht und den abgeschlossenen Raum wurde eine bestimmte Stimmung erzeugt, eine besondere Atmosphäre entstand. Eine außergewöhnliche Erfahrung, die ich nur weiterempfehlen kann. Das Theater wird verändert und neu durchdacht, was gerade in Zusammenarbeit mit Kindern sehr viel Sinn ergibt. Eine Chance, die man nutzen sollte.

Zur Inszenierung

PELLE // HochX // Premiere/UA: 16. Februar 2019 //

Studierendenkarten: 6€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunde (keine Pause)

Regie: Alfredo Zinola
Dramaturgie: Mateusz Szymanówka
Raum: Moran Sanderovich
Licht: Marek Lamprecht
Künstlerische Produktionsleitung: Micaela Kühn Jara

mit

Tatiana Saphir
Felipe González
Alfredo Zinola

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