Kritik: Die fabelhafte Welt der Amélie @Werk7 Theater

Foto: Franziska Hain

Theresas Kritik – Besuchte Preview: 11. Februar 2019

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Der Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ist fester Bestandteil meiner Kindheitserinnerungen. Es ist wohl der erste französische Film, welchen ich gesehen habe. Die Story, wahrscheinlich den meisten bekannt, handelt von der jungen Frau Amélie, die ihr ganz eigenes verzaubertes und fantastisches Leben in Paris lebt. Sie ist nicht gerade die Durchschnittsfrau, sondern hat einen sehr eigenartigen, aber doch faszinierenden Charakter. Nachdem sie in ihrer Wohnung ein verstecktes Kästchen findet, das vor rund 30 Jahren einem kleinen Jungen gehört haben muss, will sie den nun erwachsenen Mann finden und ihm seinen Schatz zurückgeben. Als ihr das gelingt, findet sie Gefallen daran Menschen zu helfen und andere Leben positiv zu verändern. Auf diese Art und Weise hilft sie ihrem Vater, ihren Kolleginnen und ihrem Nachbarn. Während diesen Erlebnissen und guten Taten trifft sie auf einen jungen Mann, der ihr faszinierend und gleichzeitig etwas mysteriös erscheint. Ihm geht es da nicht anders. Ganz in ihrer Welt von Versteckspielen und Verfolgungsjagden versunken, führt sie den Mann durch ganz Paris.
Schließlich finden die Beiden Liebe in dem jeweils Anderen, sowie es alle anderen Figuren auf eine bestimmte Art und Weise auch tun. 

Das Musical spiegelt die Story im Großen und Ganzen ganz gut wider. Kaum etwas wird ausgelassen. Die Rolle der Amélie ist hervorragend besetzt und führt die Zuschauer durch den ganzen Abend. Sie verkörpert die Figur mit all ihren merkwürdigen und speziellen Charakterzügen. Der Rest des Casts ist stimmlich stark, doch die Bewegungen und Gruppenchoreographien müssen leiden. Tanz scheint bei keinem der Sänger*innen eine Stärke zu sein und das kann man den gesamten Abend über sehen. Die Figur der jungen Amélie wurde geschickt und modern gelöst: Sie ist eine Puppe, die von der erwachsenen Amélie geführt wird. Das funktioniert einwandfrei und passt irgendwie zu dem Charme der kindlichen Welt. Das Bühnenbild ist sehr liebevoll gestaltet. Mit vielen kleinen Details erinnert es mehr an ein Filmset, als an eine Theaterbühne. Die Bühne wird vollkommen ausgenutzt und geschickt bespielt. Die Musiker sitzen sozusagen im ersten Stock einer aufgeschnittenen Häuserfront. Durch das Geländer des Balkons und den winzigen Besonderheiten wie den Tapeten und kleinen Schildern spürt man die französische Atmosphäre.

Obwohl die Performer*innen gesanglich gut sind, ist der Hörgenuss als Zuschauer etwas eingeschränkt. Der Ton scheint nicht perfekt ausgeglichen und die Mikros sind zum Teil zu leise eingestellt. Womöglich hat sich das mittlerweile noch geändert. Schließlich war das Team noch immer im Probenprozess.

Insgesamt ist es ein sehr süßes Musical wie ich finde. Die Inszenierung ist gelungen und hat sich nicht allzu sehr an den Film festgekrallt und hat dennoch alle wichtigen Elemente erhalten. Textlich und musikalisch hat es mir nicht wirklich zugesagt. Die Originalmotive von Yann Tiersen sind natürlich unvergleichlich. Texte wie „Träume nicht dein Leben, lebe lieber deinen Traum“ sind mir persönlich zu kitschig und erinnern doch sehr an „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“. Ich werde den Film zwar immer vorziehen, dennoch ist die Musical Inszenierung besser geworden als gedacht. 

Paulinas Kritik – Besuchte Preview: 11. Februar 2019

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Nachdem die Bühnenversion von Fack Ju Göhte im September letzten Jahres abgesetzt wurde, dauert es eine Weile bis das Werksviertel wieder eine Produktion beherbergen durfte. Jetzt wird am Ostbahnhof wieder gesungen, getanzt und gespielt und München ist seit dem 14. Februar wieder um ein Musical reicher. Der Musicalgigant Stage Entertainment nimmt mit der neuen Show die Zuschauer*innen mit nach Frankreich in die Welt der Amelie. In Die fabelhafte Welt der Amélie.

Vor dem Previewbesuch wusste ich noch nicht allzuviel von dieser besagten Welt. Ich kannte bloß die eingängigen Melodien Yann Tiersens – den berühmten wunderschönen französischen Walzer und die Titelmelodie des Films. Den Film selbst und die Geschichte kannte ich bis dahin noch nicht. Die Story ist aber auch nicht so kompliziert gleichwohl aber auch nicht besonders aussagekräftig. Die wichtigste Person um die es sich dreht, ist das junge Mädchen Amélie Poulain, die ein neues Leben in der französischen Hauptstadt Paris beginnen will. Die Titelfigur wird von der fabelhaften Sandra Leitner übernommen. Sandra strahlt die Neugierde und Lebensfreude der jungen Französin charmant und ganz liebenswert aus. Die Präsenz, die von der 22-jährigen Musicaldarstellerin ausgeht, überschattet die der anderen Spielpartner*innen aber immens stark. Denn bis auf vielleicht zwei/drei Ausnahmen sind die Darsteller*innen leider weniger intensiv in ihren Rollenausführungen. Vielen Formationen und choreografischen Mitteln fehlt es einfach an Energie. Das kann natürlich daran liegen, dass wir nur eine Preview angeschaut haben oder daran, dass die Tanzschritte nicht so flüssig choreografiert wurden, aber trotzdem erschlich mich das Gefühl, dass sich die Ensemblemitglieder im Tanz nicht so richtig zu Hause fühlen. Leider habe ich schon bei vielen deutschen Musicalproduktionen gesehen, dass der Tanz immer ein bisschen an Qualität einbüßt im Vergleich zu den anderen beiden Disziplinen Schauspiel und Gesang. Positiv empfand ich aber die heterogene und charakterstarke Besetzung des Cast, das aufgrund ihrer diversen Struktur die Pariser Bevölkerung sehr authentisch verkörperte.

Die Gratwanderung zwischen dem Fantastischen und dem Überzogenen – die elementar für das Stück ist – gelang über den Abend hinweg mal mehr, mal weniger gut und ließ mir teilweise den Atem stocken. So traten besonders die komödiantischen Elemente sehr überzogen in den Vordergrund. Ein Beispiel: Der Klemptner kommt nach einem kleinen Intermezzo mit Georgette in der Toilette wieder auf die Bühne und sagt: „Das Loch ist gestopft.“ Seriously?! Das muss nicht sein – auch wenn einige Herrschaften im Zuschauerraum laut losprusteten, finde ich, dass es kreativere Komik geben kann und nicht zwingend auf irgendwelche sexualisierten Doppeldeutigkeiten zurück gegriffen werden muss.

Die fabelhafte Welt der Amélie ist ein spannendes Experiment an das sich Stage Entertainment da getraut hat, dass sich besonders durch die Musik von Tiersen und die sympatische Sandra Leitner trägt, ansonsten aber einige kleine Schwachstellen hat.

Julias Kritik – Besuchte Preview: 11. Februar 2019

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Ich gehöre zum Team derjenigen von uns, die den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ schon oft gesehen und vor langer Zeit lieben gelernt haben. Ich sehe ihn nicht als handlungsstarken Film, sondern als Meisterwerk der Atmosphäre und der ehrlichen Darstellung von Persönlichkeiten, die wir vielleicht alle ein Stück weit in uns tragen. Und das natürlich absolut romantisiert und gnadenlos französisch. Aus einem solchen Stoff ein Musical zu machen hielt ich für schwer und vor unserem Preview-Besuch im Werk 7 (die Broadway-Version habe ich nie gesehen, schließlich lief sie ja auch nur wenige Monate) hatte ich geringe Vorstellungen davon, wie der Abend wohl aussehen würde.

Die Inszenierung glänzt vor allem durch ein paar innovative Regie-Einfälle. Ich bin großer Fan von publikumsnahem und intimem Theater (ich erinnere an meine begeisterte Kritik zur immersiven „Great Gatsby“ Inszenierung in London) und finde es toll, dass einige Sitzplätze quasi auf der Bühne sind. Man sitzt an Tischen im berühmten „Café des deux Moulins“ und kann nah am Geschehen dran sein. Ich vermute zwar, dass man von einigen dieser Plätze eine nicht ganz so optimale Sicht auf den Balkon hat, trotzdem gefällt mir das Prinzip. Auch bei Fack Ju Göhte hat mir im Werkstheater schon gefallen, dass der Publikumsraum hier durchgehend als Spielfläche genutzt wird.

Der zweite Einfall, der das Musical deutlich bereichert, sind die Puppen, die Amélie und Nino als Kinder darstellen. Puppen- und Figurentheater wird oft unterschätzt und ich freue mich, dass sich mittlerweile wieder mehr Regisseur*innen trauen, Puppen zu „besetzen“. Sandra Leitner (Amélie) und die anderen Darsteller*innen bewegen die Puppen liebevoll und nehmen sich selbst dabei so stark zurück, dass ich der Figur tatsächlich glaube und nicht durch die Spielenden abgelenkt werde.

Ein paar Details waren mir jedoch zu viel des Guten. Der tanzende Lauch könnte anders inszeniert gut in die absurde Traumwelt Amélies hineinpassen, aber irgendwie funktioniert er nicht – ich glaube, das ist den Kostümen geschuldet. Auch manche Witze sind einfach zu platt und Dinge wie ein wackelnder Dildo auf dem Tresen wirken gewollt. Generell hätte ich mir Amélies „Andersheit“ ein bisschen nuancierter gewünscht, da bin ich einfach zu großer Fan des Originalfilms.

Yann Tiersens großartige Musik aus dem Kinofilm wird aber schön kombiniert mit Daniel Messés Melodien des Musicals aus dem Jahr 2015. Dabei darf natürlich der Comptine d’un autre été nicht fehlen und wird behutsam eingebaut. Die Mischung ist sehr harmonisch und auch die Idee, die Band sichtbar auf dem Balkon zu platzieren, passt perfekt in meinen immersiven Traum hinein. Gesanglich sticht vor allem die Hauptrolle heraus. Sandra Leitner hat bereits bei Fack Ju Göhte geglänzt und hat hier die Chance, richtig zu zeigen was sie kann.

Ivanas Kritik – Besuchte Preview: 11. Februar 2019

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Die Werbung in München zur fabelhaften Welt der Amélie ist allgegenwärtig und ich finde es eine ziemlich gute Sache, dass ein neues Musical im Werksviertel seinen Platz gefunden hat. Wir haben die Möglichkeit bekommen, die Inszenierung schon vor der Premiere sehen zu dürfen, was wir natürlich ausgenutzt haben. Und so finde ich mich am Montagabend das erste Mal im Werk 7 wieder, um in die Welt um Amélie Poulain einzutauchen.

Die Bühne ist als Café gestaltet, die erste Reihe sitzt sogar in diesem; alle anderen im Halbkreis darum. Die Musiker spielen auf der Galerie über dem Café und interagieren sogar einige Male mit den Schauspielern. Gerade die Hauptfigur Amélie wird von der sie verkörpernden Sandra Leitner unglaublich gut und authentisch getragen, sie sticht eindeutig heraus. Die Handlung ist zeitweise etwas träge und unspektakulär. Im Film kann diese doch stark durch die Pariser Szenerien punkten, was hier etwas schwierig umzusetzen ist. Es sind viele gute Ideen in diesem Musical eingebracht und verarbeitet, an wenigen Stellen fragt man sich aber doch warum manches so umgesetzt wurde. Spätestens als die Schauspieler in nicht gerade überzeugenden Lauchkostümen vor mir standen und über Lauch sangen, hatte ich einige Fragezeichen im Kopf. Trotzdem wurde ich den ganzen Abend lang gut unterhalten. Es ist eine schöne Geschichte, die für mich doch gut erzählt wird. Es ist keine Inszenierung die tief geht, andere Gedankengänge aufzeigt oder die Welt anders beleuchtet, aber das muss ja auch nicht sein. Es war angenehme Unterhaltung, die für mich doch gut funktioniert hat und bei der man sich wohlfühlt. Ich hätte gerne einige Aspekte anders gesehen, beispielweise die Sonderbarkeit der Amélie noch verstärkter im Handlungsverlauf dargestellt, aber trotzdem habe ich den Abend genossen.

Einige gute und leider auch ein paar schlechtere Punkte, die ich zur fabelhaften Welt der Amélie anzuführen habe. Aber wer Lust auf einen schönen, entspannten Musicalabend hat, für den ist die Welt der Amélie sicherlich eine sehr gute Option.

Zur Inszenierung

Die fabelhafte Welt der Amélie – Das Musical // Werk 7 Theater // Premiere: 14. Februar 2019 //

Karten ab 29,90€

Ein Musical von Craig Lucas, Daniel Messé, Nathan Tysen
Basierend auf dem gleichnamigen Film von Jean-Pierre Jeunet & Guillaume Laurant
Mit Musik von Yann Tiersen

Deutsche Fassung: Heiko Wohlgemuth
Bühnenbild: Andrew Edwards
Puppenbauer: Stefan Fichert

mit

Amélie: Sandra Leitner
Nino: Andreas Bongard
u.v.m. (siehe: https://www.stage-entertainment.de/musicals-shows/muenchen/amelie/artists/artists.html)

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