Filmkritik: Green Book von Peter Farrelly

Scan der New York Public Library

Ivanas Kritik

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DER Oscar-Gewinner 2019: Green Book wird ausgezeichnet als bester Film. Wenn man sich Spike Lees Reaktion anschaut, über dessen Film Blackkklansman ich vorletztes Mal geschrieben habe, wohl nicht gerade verdient. Ich bin da etwas anderer Meinung:

Der Film erzählt zu Beginn aus dem alltäglichen Leben des Tony „Lip“ Vallelonga. Der Italoamerikaner arbeitet in den 70ern im Copacabana in New York City und lebt mit seiner Familie behütet in der Bronx. Er führt mit seiner Frau Dolores eine glückliche Ehe, ist nie aus der Arbeiterklasse herausgekommen und hat immer wieder Geld-Probleme, aber im Grunde funktioniert sein eher einfaches Leben gut. Nachdem das Copa renovieren muss, nimmt er einen zweimonatigen Job als Chauffeur bei dem Pianisten Dr. Shirley an. Dieser ist Afroamerikaner, die in NYC mittlerweile schon in der Gesellschaft akzeptiert sind, allerdings ist Rassismus in Tonys Umfeld eine wenig hinterfragte Tatsache, die einfach zum Leben dazu gehört.

Der Trip führt Tony und Dr. Shriley in den Süden der Staaten, wo Letzterer seine Auftritte am Piano im Zuge seiner Tour hat. Da dort bekanntermaßen der Rassismus nochmal eine wesentlich größere Rolle spielt, ist der Pianist mehr als einmal auf Tony angewiesen. In den 2 Monaten durchleben beide miteinander Höhen und Tiefen ihrer eigenen Person und lernen einander kennen und schätzen. Es entsteht, wie soll man es anders sagen, eine besondere Verbindung und Freundschaft.

Der Regisseur Peter Farrelly, der eigentlich vorwiegend für seine Komödien bekannt ist, erzählt schon auch hier durchgehend auf eine humoristische Art und Weise, kann jedoch auch Charaktere und Persönlichkeiten unglaublich gut offen legen und nachvollziehbar machen. Man fühlt mit ihnen, vor allem mit Dr. Shirley, der sich auf seiner Reise Entsetzlichem entgegenstellen muss. Der Rassismus steht natürlich durchgehend im Raum und bildet das Hauptmotiv, trotzdem geht es auch um die Entwicklung zweier Menschen, die aneinander unglaublich wachsen. Und um Musik, Liebe und die Klippe zwischen der „gebildeten Elite“ und der „stumpfsinnigen Arbeiterklasse“, die durch die Geschichte überwunden wird.

Mahershala Ali hat sich den Oscar als bester Nebendarsteller absolut verdient. Beide Protagonisten überzeugen und berühren mich vollkommen. Wer mich kennt, weiß dass ich eine kleine gigantische Begeisterung für Herr der Ringe hege, weswegen ich zu Viggo Mortensen nicht mehr viel zu sagen brauche, er kann es einfach.

Ich hatte vor dem Film erwartet, dass sich die Hälfte der Aufnahmen in einem Auto quer durch die Südstaaten abspielt, das hatte ich mir schwierig und wenig aufregend vorgestellt. Tatsächlich sind aber auch diese Teile clever gestaltet und abwechslungsreich. Von der Machart sind mir hauptsächlich die Dialoge in Erinnerung geblieben, die ich außergewöhnlich gut fand. Ich habe wirklich viel gelacht und auch mitgefiebert. Das Ende ist vorhersehbar, aber hat mich glücklich gemacht und mich mit einem schönen, warmen Gefühl aus dem Kino gehen lassen. Ich kann nicht sagen ob das der Film ist, der das Jahr 2018 am besten wiedergibt, der am innovativsten oder künstlerischsten im Vergleich zu den Mitnominierten ist, aber mich hat er absolut positiv überrascht. Es steckt mehr Geschichte und mehr Tiefe darin, als erwartet und mit dem Bonus von Aragorn als Hauptdarsteller, hat er für mich die Trophäe verdient.

Zum Film

Green Book – Eine besondere Freundschaft // Release: 11. September 2018 in Toronto

Filmdauer: ca. 2 Stunden 10 min
Regie: Peter Farrelly
Drehbuch: Nick Vallelonga, Brian Hayes Currie, Peter Farrelly
Kamera: Sean Porter
Schnitt: Patrick J. Don Vito
Produktion: Jim Burke, Brian Hayes Currie, Peter Farrelly

mit

Viggo Mortensen: Tony „Lip“ Vallelonga
Mahershala Ali: Don Shirley
Linda Cardellini: Dolores
Brian Stepanek: Graham Kindell
Dimiter D. Marinov: Oleg
Mike Hatton: George
Sebastian Maniscalco: Johnny Venere
Don Stark: Jules Podell
Iqbal Theba: Amit, Dons Diener
Von Lewis: Bobby Rydell

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