Kritik: Musikalische Lesung von David Mayonga @Volkstheater

Julias Kritik – Besuchte Lesung: 13. März 2019

Hör dir hier Julias Kritik an!

„Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ – So heißt das Buch von David Mayonga (aka Roger Rekless), das er bei dieser Lesung im Volkstheater vorgestellt und aus dem er einige Stellen vorgelesen hat. Es geht um seine persönlichen Erfahrungen mit den verschiedenen Facetten von Rassismus und Diskriminierung und beschäftigt sich mit der Angst vor dem Fremden – und wie mehr Sensibilität entstehen könnte.

Die ausverkaufte Lesung im Volkstheater ist mir sehr sympathisch. Mayonga ist ein cooler Typ mit klaren Ansichten, die er ehrlich und verständlich vermittelt. Aus seinem Buch liest er relativ wenig vor und erzählt stattdessen frei von den Ereignissen, die er darin bespricht. Dazu hat er neben sich einen Drummer und einen Keyboarder mit auf der Bühne, die durch ihre Musik der Lesung und Mayongas Storys einen chilligen Rahmen geben und sie genau an den richtigen Stellen untermalen. Ein paar Songs performt Roger Rekless selber, hat sich aber auch Gäste eingeladen, die eigene Musik machen oder mit ihm auf der Bühne quatschen. Auch deren Geschichten und Erfahrungen machen deutlich, in wie vielen Gestalten und Formen Rassismus auftreten kann und was rassistisches Gedankengut mit Menschen anstellt.

Mayonga ist einer dieser Menschen, die anfangen zu reden und dadurch den ganzen Raum für sich einnehmen. Er kann sich großartig artikulieren und bleibt dabei so lässig wie kaum jemand anders. Ob er in genau so einem coolen Stil auch schreibt kann ich aktuell noch nicht beurteilen (das Buch ist aber auf dem nächsten Platz meiner Lese-Liste), ich gehe aber stark davon aus.

Was ich an dem Abend besonders liebe: Das Publikum hat Mayonga total abgefeiert, wenn er humorvolle Anekdoten ausgepackt hat; ist aber ebenso emotional mitgegangen, wenn er davon erzählte, wie sein Journalisten-Kollege bei einer Pressekonferenz gebeten wurde, von der Pressebank aufzustehen, weil er schwarz war. Eine Frau hat richtig laut „WHAT?!“ gerufen und damit gezeigt, wie es Einigen im Saal ging. Viele Menschen denken, die Leute hätten irgendwann aufgehört rassistisch zu handeln und seien doch alle mittlerweile so offen und vorurteilsfrei. Aber dass das nicht stimmt, ist offensichtlich. Manche Leute bezeichnen sich als „überhaupt nicht rassistisch“ und trotzdem tun sie rassistische Dinge und sagen rassistische Sachen. Solange es Menschen gibt, die einen Schwarzen fragen woher er kommt und mit der Antwort „Ich komm aus Markt Schwaben.“ nicht einverstanden sind, haben wir noch immer ein Problem. Und deswegen müssen solche Lesungen und Bücher wie das von David Mayonga auch ganz dringend immer noch stattfinden.

Was an Mayonga neben seinem musikalischen und sprachlichen Talent noch großartig ist: Er ist Magisterpädagoge. Dass man das an seiner Antwort merkt, die er einem jungen Mann aus dem Publikum gegeben hat, der Mayonga von seinen eigenen Schwierigkeiten als Schwarzer in Bayern erzählte, hat mir mein Sozialpädagogen-Freund bestätigt. Mayonga bemüht sich, nicht mit Vorwürfen um sich zu schmeißen, sondern vorverurteilenden Menschen eine helfende Hand zu reichen.

Ich habe gemerkt: David Mayonga als Autor mag ich genauso gerne wie Roger Rekless als Musiker und Moderator. Ich werde jetzt mal sein Buch lesen und für folgende Werbung werde ich nicht bezahlt: Tut das auch.

Zur Lesung

Lesung von „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ mit Konzert // von und mit David Mayonga // Volkstheater // 13. März 2019 // Karten: 20€

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