Kritik: Endspiel @Residenztheater

Foto: Thomas Aurin

Gastbeitrag: Amélies Kritik – Besuchte Vorstellung: 20. März 2019

Hör dir hier Amélies Kritik an!

Ich muss zugeben, am Anfang war ich etwas skeptisch als ich gelesen habe, dass das kommende Theatertreffen im Residenztheater stattfinden würde. Ich hatte bereits ein paar Inszenierungen gesehen, doch keine davon haute mich total vom Hocker. Aber ich war an jenem Abend sehr positiv gestimmt und war auch gespannt auf das, was mich erwarten würde.

Das erste was mir auffiel, als wir das Resi betraten, war das Publikum. Hier und da ein paar junge Leute, aber vermehrt Senioren. Mich wirft das immer wieder etwas aus der Bahn, da ich das als leidenschaftlicher Kammerspiele Besucher kaum kenne.
Wir gingen also zur Garderobe, gaben unsere Sachen ab und suchten unsere Plätze. Ein paar Minuten später ging es auch schon los.

Das Bühnenbild war recht simpel gehalten. Ein Stuhl, etwas links zentriert, alles schwarz. Der „Es geht jetzt los“-Ton erklingt, die Musik ertönt und auf einmal fällt weißes Konfetti von oben auf die Bühne. Kein Zusammenhang, keine Erklärung, einfach nur Konfetti. Was das jetzt bedeuten soll? Anscheinend nichts. Es gibt auch im Verlauf des Stücks keinerlei Erklärung dazu.

Von oben fährt eine Art schwarzes Dach, das fast schon einem Sargdeckel ähnelte herunter, jetzt kann man auch erkennen, dass das Konfetti aus dem Dach fällt. Auch dieses hat keine weitere Bedeutung und bekommt auch keine Erklärung. Naja, egal, Raum für Interpretation.
Nach 3 Minuten ist der Konfettifall auch endlich mal beendet, da kommen schon die Schauspieler.
Und los gehts.

Irgendwann nach circa 20 Minuten geht am Boden eine Klappe auf und ein altes Seniorenpaar tritt auf. Sie sagen etwas und sorgen hier und da für ein paar Lacher. Dann verschwinden sie wieder, kommen wieder und so weiter.
Nach 40 Minuten fällt es mir schon durchaus schwer wach zu bleiben, was bei mir sonst nie ein Problem war. Nach 1 Stunde schweife ich total ab und denke an alles andere, nur nicht an das Stück.
Nach 1 Stunde und 36 langen Minuten ist es endlich vorbei. Es wird 2 mal geklatscht und alle bemühen sich so schnell wie möglich nach Hause zu kommen.

Fazit: Auch wenn ich anfangs sehr offen der Inszenierung gegenüber war, wurde ich leider sehr enttäuscht. Die Möglichkeiten, die das Residenztheater und die Technik bieten, die nicht genutzt wurden und meine, ich wage zu sagen verschwendete Zeit haben mich am Ende des Abends sauer und traurig zugleich gestimmt. Doch es gab auch positive Aspekte, das Beste an dem Abend war nämlich am Ende die gemeinsame Zeit in der Kantine des Residenztheaters mit den anderen Tanten.

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Als leidenschaftliche Theaterbesucherin hat unsere Gastautorin Amélie ihre Liebe zu den Kammerspielen entdeckt. Fast jede Woche versteckt sie sich im Pulk der Zuschauer und schaut gespannt und mit voller Überzeugung auf die Bühne. Unter anderem hat sie sich schon freiwillig vier mal Dionysos Stadt angeschaut, allein dort rund 40 Stunden im Theater verbracht. Ein richtiger „Kammerultra“. Andauernd schwafelt sie ihre Mitmenschen mit Theater voll, bis ihr die Puste ausgeht, oder sie bemerkt, dass ihr keiner mehr zuhört. Zu stoppen ist sie auf jeden Fall sehr schwer. Ob das noch gesund ist? Man weiß es nicht.

Ivanas Kritik – Besuchte Vorstellung: 20. März 2019

Hör dir hier Ivanas Kritik an!

Samuel Beckett’s Endspiel im Resi. Ich hatte große Hoffnungen, dass ich mal wieder begeistert und überzeugt werde. Leider fühlten sich die 90 Minuten wie 300 an und ich hatte permanent nur die Frage „Warum?“ im Kopf.

Die Handlung von Becketts Endspiel spielt nach dem Ende der Welt, könnte man meinen. Es gibt auf jeden Fall außerhalb des Hauses, in dem sich die „Geschehnisse“ abspielen, nichts mehr. Es sind nur noch vier Menschen übrig: Hamm ist blind und kann nicht mehr stehen oder gehen, er fristet sein Dasein in einem Stuhl, der immer genau in der Mitte des Zimmers stehen muss. Dafür ist sein Diener Clov zuständig, der alle Aufgaben, die ihm vom Meister aufgetragen werden, erledigt, aber nicht genau weiß warum eigentlich. Was aber beiden wohl bewusst ist, ist dass sie ohne einander nicht leben können. Clov ist die einzige Verbindung von Hamm zur Welt und zur Realität, Hamm hingegen hat die letzten Vorräte. Zudem leben Hamms Eltern mit ihnen, diese sind aber in dieser Inszenierung wenig präsent und unter einer Falltür auf der Bühne untergebracht, die nur wenige Male geöffnet wird. Es ist ein Einakter, der Menschen am Rande des Abgrunds zeigen soll. Allen ist ihre Situation bewusst und so versuchen sie zu lernen, damit und mit ihren Gedanken umgehen zu können und einen Sinn hinter ihrem Existieren zu finden, wenn nichts mehr außer ihnen existiert.

Samuel Becketts Werke und das Genie, das dahintersteckt, sind mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Jedoch ist deren Umsetzung auf der Bühne teilweise schwierig, die erste deutsche Interpretation 1957 in Berlin wird nach 8 Vorstellungen abgesetzt, wegen fehlendem Verständnis. Nachdem ich diese Aufführung im Residenztheater gesehen habe, kann ich mir das vorstellen.

Die Messages, die ich mir im Vorhinein vorgestellt hatte, sind bei mir nicht angekommen. Ich habe die nicht vorhandene Nutzung des großen, schönen Bühnenraums im Resi nicht nachvollziehen können, genauso wenig wie das Konfetti am Anfang, den fast nackten Franz Pätzold in der Mitte und das ganze Ende, das sich enorm zieht.

Langeweile ist ein großer Faktor. Auch wenn es ein Einakter ist, der nur in einem Raum spielt, ist mir schon oft gezeigt worden, wie viele Möglichkeiten dann aber trotzdem vorhanden sind und was man daraus machen kann. Hier plätschert die Handlung so vor sich hin, es wiederholt und wiederholt und wiederholt sich alles immer und immer wieder, bis selbst die Situationen, bei denen man am Anfang vielleicht sogar kurz geschmunzelt hat (was an diesem Abend das Höchste der Gefühle war), eher zu einem Augenrollen werden.

Franz Pätzold sticht mal wieder heraus und ist für mich der Einzige, der überzeugt. Ich verstehe, dass es hier um die Beziehung zwischen zwei Menschen geht, die nicht mit und nicht ohne einander können. Das Zwischenmenschliche und die Vorgänge in den Köpfen der Figuren stehen im Fokus. Und dass sie keine andere Wahl haben, als jeden Tag dasselbe zu tun. Die Grundlage dieser Inszenierung ist also somit schon mal eine, wo es keine großen Spannungen und Höhepunkte gibt oder die voller Action steckt. Nichtsdestotrotz muss man den Zuschauern etwas bieten. In diesem Fall habe ich nichts gefunden, dass mir etwas gibt, außer dem großartigem Werk von Beckett, das hier nicht genug zur Geltung kommt.

Julias Kritik – Besuchte Vorstellung: 20. März 2019

Hör dir hier Julias Kritik an!

Ich war dem Resi in letzter Zeit als Haus sehr wohlgesonnen. Don Karlos fand ich gut (Spoiler! Die Kritik dazu kommt noch!), Philipp Lahm war großartig und auch auf Endspiel hatte ich mich gefreut. Ich war davon ausgegangen, dass dieses Stück eine gute Wahl wäre, um unsere Gastautorin Amélie zu einem Theaterbesuch mitzunehmen. Nach der ersten Hälfte des Abends tat mir diese Fehlentscheidung schon wahnsinnig leid.

Bis jetzt frage ich mich, ob das an der Inszenierung oder an Becketts Text liegt. Vier Figuren, die sich hauptsächlich auf die Nerven gehen, und dazu eine Endzeitstimmung im Bunker – das ist doch eigentlich solides Material für anderthalb Stunden Bühnengeschehen. Funktioniert Geschlossene Gesellschaft nicht nach einem ähnlichen Muster? Trotzdem: die Handlung ist einfach langweilig. Es gab viele Momente, bei denen ich das Gefühl hatte dass sie lustig gemeint waren. Das habe ich aber vor allem an den Reaktionen anderer Zuschauer*innen gemerkt, denn meinen Humor haben leider nur die wenigsten Witze getroffen. Oder sie haben ihn einmal getroffen, aber nicht mehr nach der neunten Wiederholung.

Die Figur „Clov“ hat Pätzold passend gezeichnet. Er ist einfach ein Verwandlungskünstler und stellt hier einen Typ Mensch dar, den ich noch nicht oft auf der Bühne gesehen habe. Auch Kostüm und Maske haben hier super Arbeit geleistet: das ungepflegte Aussehen des Clov geht mit seiner Art Hand in Hand. Nägele fällt dagegen als „Hamm“ leider etwas zurück, hat in seiner Rolle und seiner sitzenden Position aber auch weniger Möglichkeiten im Spiel. Die kurzen Auftritte von Hamms Eltern „Nagg“ und „Nell“ durch eine Bodenklappe sind ganz nett, aber nicht viel mehr.

Also. Die Inszenierung ist irgendwie sehr gut gemeint – Kostüm und Bühne sind nicht meine Favoriten aber haben schon Potenzial – bietet aber einfach keine Spannung. Es passiert gefühlt nix und anstelle der fehlenden Handlung treten auch leider nicht viele Momente des Lachens oder Glanzmomente im Schauspiel ein.

In diesem Sinne: Amélie, ich hätte dir gern (als Kammerultra, die du offenbar bist) auch das Resi mal ein bisschen näher gebracht, aber vielleicht haben wir dazu ja noch ein andermal die Gelegenheit!

Zur Inszenierung

Endspiel von Samuel Beckett // Residenztheater // Premiere: 16. November 2018 //

Studierendenkarten: 8€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunde 30 min (keine Pause)

Deutsch von Elmar Tophoven

Regie: Anne Lenk
Bühne: Judith Oswald
Kostüme: Sibylle Wallum
Licht: Markus Schadel
Dramaturgie: Andrea Koschwitz

mit

Hamm: Oliver Nägele
Clov: Franz Pätzold
Nell: Ulrike Willenbacher
Nagg: Manfred Zapatka

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