Kritik: #Genesis @Kammer 1

Foto: David Baltzer

Julias Kritik – Besuchte Vorstellung: 22. Februar 2019

Endlich mal wieder in die Münchner Kammerspiele! Diesen Winter war ich deutlich seltener in den Kammerspielen als sonst und habe mich dementsprechend sehr gefreut, mal wieder ein Stück dort zu sehen. #Genesis erzählt von Anfängen: vom Schöpfungsmythos aus der Bibel und den persönlichen „Starting Points“ der Schauspieler*innen. Regisseurin Yael Ronen gelingt es, die Biographien der Spielenden und ihre Beziehungen zu ihren Vätern und zur Kirche mit einer Schöpfungsgeschichte zu verweben, die in einem Theatersetting spielt. Die Bilder und Metaphern sind dabei überspitzt und überschreiten nicht selten die Grenze zum Pathetischen: Wir sehen Projektionen von orientierungslosen Spermazellen und von Kirchenfenstern. Über der runden Drehbühne hängt ein ebenso runder Spiegel und dass wir viele Szenen nur indirekt durch das Bild im Spiegel verfolgen, gibt mir die Möglichkeit, aus einer fremderen Ebene über das Gesehene zu reflektieren. Manchmal frage ich mich, ob bestimmte Momente jetzt echt deren Ernst sind (z.B. wenn am Ende alle romantisch zusammen ein Abschlusslied singen), aber irgendwie hat diese Inszenierung einfach einen wahnsinnig komischen und wahnsinnig klugen Kniff, sodass ich diese übertriebenen Momente gar nicht schlecht finden kann.

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 22.02.2019

Hör dir hier Paulinas Kritik an!

Wann immer es im Theater um Religion und Glaube geht, so wie hier in der biblischen Schöpfungsgeschichte, bin ich ein bisschen skeptisch, denn oft habe ich das Gefühl, dass sehr einseitig auf Klischees herumgeritten und Rituale veralbert werden. Vieles wird heruntergebrochen und verrissen. Das finde ich immer wahnsinnig anstrengend.

Mit diesem Abend #Genesis in den Münchner Kammerspielen gelingt es der Regisseurin Yael Ronen weitgehend dieser Vereinfachung zu entgehen. Stellenweise verschmelze ich als Zuschauerin mit den sehr persönlichen Erzählungen der Schauspieler und Schauspielerinnen, ebenso wie auch das Ensemble mit dem Erzählten. Eine Trennung zwischen der Persönlichkeit und der Rolle auf der Bühne, scheint es kaum zu geben. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Erzählung von Wiebke Puls, die mir Einblicke in ihr Leben als Pastorentochter ermöglicht. Ich weiß natürlich nicht, wie „wahr“ alles ist, was sie auf der Bühne beschreibt oder wieviel dazu gedichtet ist, aber in beiden Fällen berührt es. Wiebke Puls berührt noch ein zweites Mal an diesem Abend, als sie in der letzten Szene das Lied „Knocking on heavens door“ sehr intim und klar singt. Wunderbar melodisch und atmosphärisch wird der Abend beschlossen, während sich die Projektion eines weißhaarigen und weißbärtigen Mannes auf einer Wolke sitzend in eine Projektion einer korpulenten dunkelhäutigen Frau verwandelt. Ganz kann Ronen dann doch nicht von der Geschlechter- und Rassismus Debatte absehen, denn die taucht an diesem Abend immer mal wieder mit einer ungeschickt, komisch provozierenden Art und Weise auf.

Alles in Allem sind die verschiedenen Schöpfungsgeschichte ein super spannendes Thema zum Philosophieren und deshalb auch optimal für die Bühne. Gerne mehr.

Ivanas Kritik – Besuchte Vorstellung: 22.02.2019

Hör dir hier Ivanas Kritik an!

Ich hatte in den Kammern leider schon oft Inszenierungen erwischt, die eher gegenteilig von dem waren, was ich persönlich im Theater suche. Da ich aber gerade „Trommeln in der Nacht“ gesehen hatte, war ich voller Vorfreude und Spannung, ob die Genesis-Geschichte mich auch so positiv überraschen kann.

Schon der Anfang ist anders und stellvertretend für die folgenden knapp 2 Stunden: Witzig, innovativ und sehr unterhaltend. Der Vorhang ist noch geschlossen und die Schauspieler kommen von den Seiten auf die Bühne und sprechen locker und gelassen miteinander und zum Publikum über ihren Alltag und dann über ihre Ängste und Sorgen. Langsam wird die Brücke zur Thematik des Abends gebaut und eine Überleitung geschaffen: Man möchte die Ursache des Leids finden und so also ganz vorne mit der Aufarbeitung beginnen: Der Schöpfungsgeschichte. Bereits nach 15 Minuten lache ich Tränen. Und das zieht sich durch den ganzen Abend, was ich schlichtweg wunderbar finde, im Theater mal wieder lauthals lachen zu müssen.

Die Tiefe kommt nicht zu kurz. Immer wieder werden interessante Gedanken eingebracht und andere Blickwinkel aufgezeigt. Ich merke wie ich einige Male in meinem Denken versinke und abschweife, weil ich die Ansätze in meinem Kopf verfolge, die auf der Bühne thematisiert werden. Das Bühnenbild bleibt mir im Kopf, das unglaublich gut genutzt wird und auch Kostüm und Requisite beeindrucken mich. Gerade im Kostüm wird mit Klischees gespielt, dann aber wieder auf künstlerische Tiermasken und Latex-Anzüge zurückgegriffen, was die einzelnen Szenen noch abwechslungsreicher und vielfältiger macht. Hier hatte Regisseurin Yael Ronen einige wirklich gute und für mich neue Ideen, die auf überspitze aber unterhaltende Art und Weise und in eindrucksvollen Bildern dargeboten werden.

Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 22.02.2019

Die Genesis Geschichte auf die Bühne bringen hat etwas an sich. Man kann sicher sein, dass die meisten im Zuschauerraum die Story von Adam und Eva, Kain und Abel usw. kennen. Also Spannung in dem Sinne von „Was passiert als nächstes?“ kann nur schwer erzeugt werden. Das hat auch die Regisseurin Yael Ronen erkannt. Es werden verschiedene Schöpfungsgeschichten aus unterschiedlichen Kulturen thematisiert und mokiert.
Die Figuren sind überspitzt dargestellt. Der Satz „Das erklärt einiges“, welcher nie mit einem tatsächlichen Argument oder mit einer Erklärung einher geht, nervt genauso, wie im echten Leben. Und das ist gut so.

Teilweise ist die Inszenierung zum Schreien lustig und ist dennoch mit einer guten Menge an Denkanstößen und existenziellen Fragen rund ums Thema Gott bespickt.

Das Bühnenbild ist grandios, mit einem geschickt eingesetzten Spiegel und einer rotierenden Bühne. Die Reflektionen durch den Spiegel gestalten das Zusehen interessanter und gewähren einem im Zuschauerraum verschiedene Perspektiven auf die Schauspieler*innen. Der sich drehende Bühnenboden ist zudem eine Projektionsfläche für Videos, welche wiederum von dem Spiegel reflektiert werden. Ein äußerst durchdachtes Konzept, welches das Erlebnis als Zuschauer um einiges abwechslungsreicher macht.
Etwas fragwürdig erscheint mir das Ende: Bob Dylans’s „Knockin‘ on Heavens Door“, gesungen von den Schauspielenden. Ein etwas stumpfer Schluss für eine recht gelungene Inszenierung. Wobei auch hier der Einsatz von Spiegel, Licht, und Videoprojektion wieder gelungen war.

Zur Inszenierung

#Genesis – A Starting Point // Münchner Kammerspiele, Kammer 1 // Uraufführung 28.10.2018 //

Studierendenkarten: 8€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunde 45 min (keine Pause)

Regie: Yael Ronen
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Video: Stefano di Buduo
Musik: Yaniv Fridel, Ofer (OJ) Shabi
Licht: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Johanna Höhmann
Künstlerische Mitarbeit: Niels Bormann

mit

Zeynep Bozbay
Daniel Lommatzsch
Wiebke Puls
Damian Rebgetz
Samouil Stoyanov
Jeff Wilbusch

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