Kritik: Les 24 Préludes de Chopin / Henri Michaux: Mouvements @Carl-Orff-Saal

Foto: Marie Chouinard

Theresas Kritik – Besuchte Vorstellung: 20.05.2019

Ein zweigeteilter Abend. Die Herangehensweise an die beiden Choreographien ist paradoxerweise aber sehr ähnlich. Ein Paradox, weil der erste Teil des Abends auf Musik, den titelgebenden Les 24 Preludes de Chopin, und der zweite Teil auf Bildern, Zeichnungen von Henri Michaux, aufbaut. Doch die Tänzer*innen imitieren die beiden Kunstformen auf dieselbe Art und Weise, wodurch sich der Arbeitsprozess der Companie erkennen lässt. Auf dieselbe Art und Weise imitieren die Tänzer*innen Musik und Zeichnungen. In beiden Choreographien lässt sich der Arbeitsprozess der Companie erkennen.

In Les 24 Préludes de Chopin schafft es die Choreographin Marie Chouinard Bewegungsabläufe aus ihrem Kontext zu reißen und sich den Codes der Gesellschaft zu entziehen ohne, dass es sich nach einem Zwang anfühlt. Gleichzeitig entstehen die Bewegungen aus der Musik und ergänzen sie. Sie wirken mehr wie eine Notwendigkeit, als eine vom Menschen erfundene Idee. Diese Passagen werden unterbrochen mit scheinbar alltäglichen Szenen: Das Spielen mit einem Ball. Durch diese Intermezzi wird die dramaturgische und körperliche Spannung etwas gelöst.

Mit klassischen Konventionen des Tanzes ist man bei Chouinard an der falschen Adresse, denn es gibt keine klare Rollenverteilung. Tänzerinnen heben Tänzer und auch bei Gruppenchoreographien wird nicht auf Geschlecht, sondern auf Stärken geachtet.

Ein Bühnenbild oder Requisiten gibt es nicht. Doch allein mit der Intensität und Farbe des Lichts werden klar abgrenzbare Räume auf der Bühne geschaffen. Der Fokus liegt auf dem Körper und den vielen Ebenen von Chopins Musik.

Henri Michaux`s Mouvements wurde durch Louis Dufort in Musik und von Marie Chouinard in Tanz übersetzt wurde. Eine interessante Arbeitsweise, die für Zuschauer mittels der projizierten Zeichnungen an der hinteren Bühnenwand, transparent wird. Denn die Tänzer*innen zeichnen mit ihren Körpern die Bilder Michaux’s nach. Die Bühne, ganz in weiß, ist dabei das Buch mit den einzelnen Seiten. Die Tänzer*innen dagegen sind ganz in schwarz gekleidet, wie die Farbe der Zeichnungen. Das Konzept ist faszinierend und scheint aufzugehen, wenn man nach dem Applaus und den Bravo-Rufen aus dem Publikum urteilen darf.

Zur Inszenierung:

Les 24 Préludes de Chopin / Henri Michaux: Mouvements // Carl-Orff Saal; Gasteig // UA: 2011 //

Studierendenkarten: 15€; Vorstellungsdauer ca. 1 Stunden 40 min (1 Pause)

Les 24 Préludes de Chopin
Choreografie und künstlerische Leitung: Marie Chouinard
Musik: Frédéric Chopin: 24 Préludes de l’opus 28
Licht: Axel Morgenthaler
Kostüme: Liz Vanda
Make-up: Jacques-Lee Pelletier

Henri Michaux: Mouvements
Künstlerische Leitung und Choreografie: Marie Chouinard
Musik: Louis Dufort
Projizierte Texte und Zeichnungen: Henri Michaux: Mouvements (1951)Beleuchtung und Szenografie: Marie Chouinard
Sound Environment: Edward Freedman
Kostüme: Marie Chouinard
Frisuren: Marie Chouinard
Stimme: Marcel Sabourin
Übersetzung: Howard Scott

mit
Sébastien Cossette-Masse
Catherine Dagenais-Savard
Valeria Galluccio
Motrya Kozbur
Morgane Le Tiec
Luigi Luna
Scott McCabe
Sacha Ouellette-Deguire
Carol Prieur
Clémentine Schindler

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