Kritik: Aida @TheaterKiel

Paulinas Kritik – Besuchte Vorstellung: 25. August 2019

Höre die hier Paulinas Kritik an.

Seit der ersten Open-Air-Oper 2012 etablierte sich das Kulturevent in der Norddeutschen Landeshauptstadt zu DEM Sommerereignis in Kiel. Das liegt vor allem daran, dass die Premiere live an sieben verschiedenen Orten in Kiel und sogar bis ins Kieler Umland übertragen wird. Der Generalintendant Daniel Karasek nimmt sich dieser Aufgabe eine massentaugliche Outdoor-Bespielung zu erschaffen, jedes Jahr von Neuem an. An seiner Seite debütiert der Generalmusikdirektor Benjamin Reimers mit der Verdi Oper

Zwischen Eifersuchtsdrama, Familiengeschichte und Kriegstragödie spielt die Geschichte der äthiopischen Prinzessin Aida, die als Geisel am ägyptischen Königshof gehalten wird. Sie beginnt eine Affäre mit dem zukünftigen ägyptischen Kriegshelden Radames. Utopische Träume einer gemeinsamen Zukunft werden von Amneris, der Verlobten Radames und Pharaonentochter, sowie dem Vater von Aida, vehement verhindert, sodass dem Liebesverhältnis alles andere als eine rosige Zukunft bevor steht.

Pompös, wuchtige Opernaufführungen, waren in der Zeit der Uraufführung 1871 Gang und Gebe – Inszenierungen gespickt mit Massenszenen – großen Gesten gehörten: Rund 150 Jahre später nimmt sich Daniel Karasek diese Charakteristika wieder zu Herzen und inszeniert ein Spektakel, in dem es nichts gibt, was es nicht gibt.

Alles ist groß. Alles ist Gold. Das Bühnenbild erinnert mit seinen simplen Linien an die Lobby eines großen Hotels samt Fahrstuhlimitationen und integriert Projektionen auf das pyramidale Glasportal. Aus den Türmen links und rechts vom Treppenaufgang sprühen am inszenatorischen Höhepunkt, der Rückkehr von Radames aus der gewonnenen Schlacht gegen Aidas Vater, mal Funken, mal Feuer und auch mal Konfettiregen. Dazwischen hüpfen zu Ehren des Sieges, Kinder der Ballettakademie über die Bühne und weil die Freude so groß ist, gibt es noch einen Flick Flack oben drauf. An den schließt sich auch das Kieler Ballettensemble an und tanzt im allgegenwärtigen Gold-Silber-Schwarz-Farbschema in mitten der anderen 90 (!) Ensemblemitglieder. Das Bewegungsrepertoire hätte ich persönlich zwar eher einer anderen Epoche als der vermutlich intendierten Zeit zugeordnet, aber es ist angekommen, was angekommen sein sollte: Alle freuen sich, Radames hat gewonnen und kommt begleitet von Cheerleadern im golden Auto vor die Bühnen gefahren.

Bei all der Feierei tritt die psychologische Entwicklung der Charaktere leider etwas in den Hintergrund. Izabella Matual sticht trotz alledem mit ihrer Interpretation der zerrissenen Aida hervor und auch Amneris Eifersucht (Cristina Melis) kann bis in die letzte Reihe des Publikums nicht übersehen werden. Bei dem Frauen- und Kriegshelden Radames, gespielt von Mergen Sandanov, gibt es gesanglich für meine Ohren zwar gar nichts aus zu setzten, doch fehlt mir die Charakterentwicklung und das Charisma des scheinbar so umworbenen Mannes.

Es ist eine Party, bildstark inszeniert, ein Spektakel, ein riesen Ereignis. Die Eventisierung der Kulturszene wird durch den Transfer eines Klassikers wie Aida an diesem Abend spürbar und es wird ein massentauglicher Zugang zu diesem Stück geschaffen. Das Publikum war begeistert, die Pressestimmen einheitlich angetan von Pomp und Prunk.

Fun Fact

Und zum Abschluss noch eine kleine Geschichte zu dem Komponisten der Oper:

Anfangs zierte sich der italienischen Operngigant Guiseppe Verdi den Auftrag anzunehmen, doch als der Archäologe August Mariette drohte, sein Libretto von Verdis Erzkonkurrenten Richard Wagner vertonen zu lassen, ließ er sich erweichen. Er nahm den Auftrag inklusive 150 000 Goldmark an und stellte die Komposition anlässlich der Einweihung des Opernhauses in Kairo 1871 fertig.

Zur Inszenierung

Aida // Oper Kiel // Premiere: 24. August 2019

Vorstellungsdauer ca. 3 Stunden (eine Pause)

  • Musikalische Leitung: Benjamin Reimers
  • Regie: Daniel Karasek
  • Bühne: Lars Peter
  • Kostüme: Claudia Spielmann
  • Choreinstudierung: Lam Tran Dinh
  • Choreografie: Yaroslav Ivanenko

mit

  • Der König von Ägypten: Matteo Maria Ferretti, Ivan Scherbatyh
  • Amneris: Maria Gulik, Cristina Melis
  • Aida: Veronika Dzhioeva, Izabela Matula
  • Radamès: Sung Kyu Park, Mergen Sandanov
  • Ramfis: Thorsten Grümbel
  • Amonasro: Stefano Meo
  • Ein Bote: Fred Hoffmann
  • Eine Tempelsängerin: Jule-Katrin Burghardt, Elisabeth Raßbach-Külz
  • Chor: Opernchor und Extrachor des Theaters Kiel
  • Tanz: Ballett Kiel

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